Kriege und Feklziige Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405,. 801
vom Pferde, stellte seine Abtheilung vor, zeigte die Hurtigkeit und Ge-wandheitseiner Krieger, liess sich dann auf die Kniee nieder, küsstedie Erde, sprach ein Gehet für Timur, pries dessen Thaten und gabdas Versprechen, Alles für ihn zu opfern.
Nach dieser Besichtigung schickte Timur das Avantgarden-Corpszur Aufsuchung des Feindes vor. Nachdem es drei Tagemärsche in Eil-märschen zurücklegend den Tobol-Fluss erreicht hatte, bemerkte diesesCorps 10 Feuer, es gelang ihm durch ein Versteck einige Gefangene zumachen, und von diesen erfuhr es den Ort, wo Tochtamysch sichaufhielt, — was sofort an Timur weiter gemeldet wurde. Letztererzog in Folge dessen zum Tobol, führte das Heer durch eine Fürth überdenFluss, wendete sich zum Ural, wie oben angegeben wurde, d.h.wahrscheinlich ziemlich längs der ehemaligen Orenburger Linie auf dersogenannten alten Nogaien-Strasse, welche die Goldne Horde mitihrer Heimath, der Mongolei, verband und die sich von der mittleren Wolganach Osten zum mittleren Ural zieht (nicht weit von der heutigen Post-strasse von Samara nach Orenburg. welche früher »die samarische Mili-tär-Linie« hiess). Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass Toch-tamysch rechtzeitig auf dem rechten Ufer des mittlem Ural Hinterhaltegelegt hatte gegenüber den drei Furthen, welche vermuthlich die ständi-gen Uebergangsstellen durch den Ural von West nach Ost und umgekehrtbildeten. Timur aber, erfahren in den mittelasiatischen und mongoli-schen Listen, ging nicht zu diesen Furthen, sondern führte sein Heerweiter oberhalb schwimmend durch den Ural. Drüben angelangt, erfuhrer, dass Tochtamysch selbst mit seinem ganzen Heere an diesen Fur-then stand und das Eintreffen von Verstärkungen aus Asow oder den amuntern Don nomadisirenden Ulussen, und von den andern Orten erwar-tete, wo die Goldene Horde gewöhnlich im Sommer herumzog.
In dem Gelände zwischen dem mittleren Ural und der mittlerenWolga da, wo sie sich am meisten nähern, wird damals sehr wenig Waldgestanden haben, denn da, wo Viehzucht treibende Völker nomadisiren,wird jegliche Waldung gewöhnlich schnell und gründlich vernichtet. Eswar unzweifelhaft sehr wenig Wald auch in der sogenannten »Samars-ka-Luka« (»Samarasche Biegung«), welche durch die Wendung der Wolgavon Osten nach Westen gebildet wird, von Samara nach Tschistopol,denn dort befindet sich gewöhnlich im Sommer der Khan der GoldenenHorde, dort nomadisirte eine Menge Volkes und weideten zahllose Heer-den. Von hier musste sich ein Waldstreifen nach Norden und Osten biszur Kama und dem Ural-Gebirge hinziehen und wurde im Süden durchdie schon erwähnte »alte Nogaien-Strasse« begrenzt. Südlich von dieserLetzteren bis zum kaspischen Meere mussten sich fast waldlose offene