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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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798 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

oder zum Ischin-Fluss im April kam, so konnte Timur den Truppenunbesorgt eine längere Kühe geben, die ausgehungerten Pferde wiedergut in Futter setzen, und dann so marschiren, wie die nomadisirendenVölker reisen, erst in kleineren, dann allmählich in immer grösserenMärschen. Auf diesem ganzen Wege, wenigstens aber auf dessen ersterHälfte konnte Tochtamysch in keiner "Weise Schaden oder Aufenthaltverursachen, 1) weil zu Anfang des Zuges Timur seine Bewegungenganz vor Tochtamysch zu verheimlichen im Stande war, und 2)weil, wenn Letzterer sich entschloss, dem Timur auf der zweiten Hälftedes Weges im April entgegen zu treten, er durch einen Winter-Feldzugvom unteren Ural, Wolga und Don in einem Räume von über 1500 Werstsein Heer in eine weit schlimmere Verfassung bringen konnte, als diewar. in welcher ihm Timur.'s Heer nach dem Austritt aus der Goloclna-Steppe entgegen treten konnte: erlitt Tochtamysch hier eine Nieder-lage, so konnte er in den offenen Stellen der Steppe aufgerieben werden.Alle diese Gründe bewogen Timur ohne Zweifel, diesen drittenWeg als den vortheilhaftesten, wenn auch längsten zu wählen. Nichtsdesto weniger bot auch auf diesem Wege der Feldzug sehr grosseSchwierigkeiten, deren Ueberwältigung ebenso viel Kühnheit und Vor-sicht, wie Kenntniss und Kunst der Kriegführung in den Steppen miteinem aus Nomadenvölkern gebildeten Heere und gegenüber einem ingleicher Weise formirten Feinde voraussetzte. Aber Timur kannte undbegriff sehr wohl alle die angegebenen Schwierigkeiten und Gefahren,und ebenso besass er die Kunst der Kriegführung in den Steppen mitNomaden-Stämmen*). Deshalb traf er auch bei Zeiten und in ausser-ordentlich weiser und durchdachter Art alle die erforderlichen Vorsichts-Maassregeln. Ausserdem, dass er, wie gesagt, sich den Rücken deckteund geheime Verbindungen mit den Feinden Tochtamysch's und deneinflussreichen Männern in der Goldenen Horde anknüpfte, so sorgte erauf dem ausgewählten Wege auch für Vorraths-Magazine, indem er be-fahl grosse Aussaaten vorzunehmen. Im Herbst 1390 versammelte er heiTaschkent ein zahlreiches Heer (die Zahl ist nicht genau bekannt, dochlassen einige unten angeführte Berechnungen es auf 200000 bis sogar360000 Mann annähernd beziffern). Diesem Heere gab er eine dauerhafte

*] Dieser Feldzng ist besonders interessant und bemerk enswerth, u. A., weiler gleich den Zügen D shingis-Khan's ein hervorragendes Muster für die ge-schickte Ausführung solcher Art von Feldzügen in den Steppen mit Heeren aus denNomadenvölkern Mittel-Asiens bietet. Diese Züge diirch die futter- und wasser-losen Steppen können getrost in eine Eeihe gestellt werden mit den in anderer Artberühmten Zügen und Feldzügen Alexander's des Grossen, Hannibal's,des Prinzen Eugen von Savoyen, Suworow's und Bonaparte's, auchMacdonald'sim Winter 18001801.