Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 797
Wegen der oben angeführten Schwierigkeiten des Zuges von Ti-mm' aus Mittel-Asien zu Ural und Wolga in die Goldene Horde ist esvon Interesse in Kürze auf die Wege zu blicken, welche sich dazuTimur boten, und auf die Gründe, um derentwillen er den einen vonihnen auswählte.
Solcher Wege waren drei: 1) über die Hochfläche des Ustj-Urtzwischen dem Aral- und Kaspi-See; 2) östlich des Aral-Sees in graderRichtung auf den mittleren Ural; 3) östlich des Aral-Sees in zuerst nörd-licher Richtung bis zum mittleren Tobol, und dann längs der ehemaligenOrenburgschen Linie.
Wenn er den ersten Weg wählte, konnte T i m u r im Herbste seineTruppen in das Chorasmische (Chiwasche) Land für den Winter führenund im Frühjahr zwischen Aral- und Kaspi-See über den Ustj-Urt gehen,dann je nach den Nachrichten über Tochtamysch's Aufenthalt ent-weder nach dem mittleren Ural oder weiter nach Norden ziehen. Wegendes Wassermangels im Ustj-Urt (auf einer Ausdehnung von über 400Werst) war derselbe bequemer im März und April zu überschreiten, wenndas Schneewasser noch nicht aufgetrocknet war. Ueberschritt er den-selben zu dieser Zeit und ging er dann im Mai und früher schon weiter,so stiess er auf grosse Schwierigkeiten beim Ueberschreiten der FlüsseEmba, Sagis (Saghyx), Uil, und besonders Ural zur Zeit des grösstenWasser-Reichthums, in der Nähe des Feindes, sowie beim Durch-schreiten einer grossen Anzahl von salzhaltigen und im Frühjahr sehrmorastigen Stellen zwischen Ustj-Urt und Uil. Rückte er später aus, sovermied er zum Theil diese Nachtheile, wäre aber auf viel grössere,Mangel an Wasser und hauptsächlich an Futter in Folge der Dürre undder Steppen-Brände gestossen. Ausserdem war der Raum vom Aufstiegzum Ustj-Urt bis zum Uil (fast 800 Werst) sehr arm an Wasser undan Gras-Vegetation, und Timur würde seine Pferde und Lastthiere er-schöpft, wenn nicht gar verloren haben. Das waren lauter Nachtheile fürTimur und Vortheile für Tochtamyscb.
Der zweite Weg war länger als der erste und bot dieselben Schwie-rigkeiten und Nachtheile.
Der dritte Weg war länger, als die beiden andern, bot aber folgendeVortheile: 1) er durchschnitt die futter- und wasserarme Golodna (Hun-ger-) Steppe in weiter Entfernung vom Feinde; 2) gegen Norden wirddiese Steppe allmählich besser; 3) auf der Westseite der Ulu-Tau-Bergebis zum Ischim-Flusse und weiter längs der ehemaligen OrenburgschenLinie befanden sich vortreffliche Weideplätze, vou jungen Waldungenund einer Menge von Seen und Flüsschen mit Süsswasser durchschnitten,weshalb die Kräuter und Gräser auch fruchtbar und weniger leichtSteppenbränden unterworfen waren. Wenn er zu den Ulu-Tau-Bergen