Kriege und Feldzüge Timur-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 789
hatte, sorgte er auch für deren Unterhalt. Um hierfür ein Magazin vonLebensmitteln zu besitzen, bemächtigte er sich des Schlosses Aladsha,dessen 300 Mann starke Besatzung sich mit ihm vereinte. In der Gegendvon Balch erfuhr er, dass Elias-Chodsha sich mit Truppen in derUmgegend von Termed befinde, und dass dessen Truppen jede Art vonGrausamkeiten und Räubereien ausführten. Dies vergrösserte das CorpsTimur's beständig durch zu ihm stossende Krieger, sodass er endlichbeschloss, die Kriegs-Operationen gegen Elias-Chodsha und die Us-beken zu eröffnen, obgleich sie zehnmal stärker als er waren: er waraber überzeugt, dass der Hass gegen die Usbeken, sobald er nur dengeringsten Erfolg hatte, ihm rasch neue Kräfte zuführen werde, — undso kam es in der That. Nach vielen mehr oder weniger bedeutenden undfür ihn glücklichen Scharmützeln gelang es ihm schliesslich die Usbekenüber den Syr-Darja zu vertreiben (1369—70). Sein Muth und sein Ge-schick hierbei lässt sich schon daraus erkennen, dass er den Krieg mitungefähr 2000 Mann gegen 20000 Mann der Usbeken im Felde eröffnete,ungerechnet 80000 Mann derselben, welche in den Festungen zwischenAmu und Syr lagen, und doch vermochte er sie zu besiegen und überden Syr-Darja zu drängen. Das war seine erste siegreiche That.
Als Elias-Chodsba über den Syr-Darja abzog, hatte er in denFestungen Trans - Oxaniens viele Usbeken zurückgelassen. Um denKrieg nicht durch die Belagerung aller dieser Festungen in die Längezu ziehen, griff Timur zur List: er schrieb im Namen Elias-Chodsha'sBefehle an die Truppen-Führer in den Festungen, dass sie diese räumensollten, und schickte diese Befehle durch Usbeken, denen seine Truppenfolgten, indem sie auf weiter Ausdehnung Staub aufwirbelten, um rechtzahlreich zu scheinen. Diese List gelang vollkommen, fast alle Festun-gen in Trans-Oxanien wurden geräumt.
Durch solche Schicksals-Prüfungen und Glücks-Wandelungen, wieer sie während seiner Wanderungen durch die Steppen von Chowaresmund Chorazan erfahren, hatte Timur gelernt, sich seine Leute auszu-wählen und auf ihre Tüchtigkeit zu schätzen, und sich zu den grossenThaten während der übrigen 35 Jahre seines Lebens vorbereitet (nachSchereff-Eddin war Timur im Jahre 1359 gerade 25 Jahre alt. folg-lich vollbrachte er die Vertreibung der Usbeken [1369—70] in einem Al-ter von 35 bis 36 Jahren). Wahrscheinlich war es in dieser Zeit seinesNomadenlebens in der Steppe, dass er jene Regeln der Politik und desKrieges entwarf, welche er später in Form eines Testamentes seinenKindern und Nachkommen übermachte (s. 22. Kapitel, § 181).
Nach Vertreibung des Elias-Chodsha über den Syr wurde Ti-mur zwar überall als Befreier von den verhassten Usbeken aufgenom-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 51