790 III, Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
men, in Samarkand nannte man ihn »den Grossen und den Helden seinerZeit«, aber er liess sich dadurch nicht einschläfern oder bochniüthigmachen. Da er nicht in direkter Linie von Dshingis-Khan abstammteund neue Bürgerkriege befürchtete, so war er klug genug, nicht nachder Khans-Würde zu streben, sondern berief nach Berathung mit Hus-sein (mit dessen Schwester er verheirathet war) einen Kuriltai zur Er-wählung des Khan. Die Wahl fiel auf Kabulschach-Aglan , Nach-kömmling von Dschingis- Khan , der zur Zeit der Unruhen und innerenFehden sich in die Einsamkeit zurückgezogen hatte und Derwisch ge-worden war. Es versteht sich von selbst, dass unter seinem Namen Ti-mur und Hussein wirklich regierten. Von Letzterem, der durch seinhabgieriges Zusammenscharren von Reichthümern sich beim Volke ver-hasst gemacht hatte, wusste Timur sich bald in geschickter Weise loszu machen und nach dem Tode desselben schritt er nun zur Verwirk-lichung seiner herrschsüchtigen Pläne, indem er sich hinter der Machtdes erwählten Khan deckte und diesem vorschlug, alle früheren Be-sitzungen der dshagataischen Khans wieder zu unterwerfen. In dieserZeit hatten die Sitten der Mongolen sich gegen früher schon verändert:mit den Eingeborenen sich verschmelzend, waren die Mongolen bereitszumTheil sesshaft geworden, und im südlichen Theile des dshagataischenKhanats hatten fast alle den muhammedanischen Glauben angenommen.Diese Religion mit ihrem Fanatismus wurde nun gerade in den geschick-ten Händen Timur's die hauptsächlichste Triebfeder seines kriegspoli-tischen Systems, welches in dieser Hinsicht sich von dem System D shin-gis-Khan's unterschied, das mit Toleranz gepaart war und einenFanatismus anderer Art und mit anderen Mitteln erregte.
Genau sich an die Form der Gesetze Dshingis-Khan's haltend,nach welchen Niemand in den Besitzungen der Mongolen, der nicht ausseinem Geschlechte hervorgegangen war, das Recht hatte, sich zum Khanaufzuwerfen, und alle Befehle im Namen der aus den NachkommenDshingis-Khan's gewählten Khans erlassend, regierte Timur inihrem Namen vollkommen eigenmächtig, vertheilte Provinzen und Län-dereien an seine Kinder und hinterliess ihnen ausgedehnte Erbtheile.Um seine Macht zu befestigen, legte er besonderen Werth auf die Ver-mehrung und Organisation seiner Truppen, indem er die Kriegs-StatutenDshingis-Khan's bei ihnen einführte. Von den 313 ihm am meistenergebenen Männern, welche er während seiner Vorbereitungen zur Ver-jagung der Usbeken als besonders begabt mit den zu guten Heerführernerforderlichen Eigenschaften, erfahren im Kriegswesen und von in Käm-pfen erprobter Tapferkeit ausgewählt hatte, stellte er 100 als Führer vonDessjatka's (Abtheilungen zu 10), 100 als Befehlshaber von Ssotnien (Ab-theilungen zu 100) und 100 als Feldherren über 1000 Mann an, den übri-