Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
788
Einzelbild herunterladen
 

788 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.

und Dshagatai's nebst ihren Grossen schon die mohamedanische Re-ligion angenommen hatten, namentlich in den Orten, wo eine sesshafteBevölkerung wohnte; das nomadisirende Volk und das Heer Togluk-Timur's war grösstentheils noch heidnisch, weshalb sie auch bei demEindringen dieser Truppen in das Land zwischen Syr-Darja und Amu-Darja bei ihren Plünderungen die Mohamedaner und deren Geistlich-keit nicht geschont hatten. Das war die Ursache zu häufigen Rei-bungen zwischen ihnen undTimur-Leng, dem eifrigen Mohamedaner.Dadurch erregte er gegen sich die Unzufriedenheit des Heeres, besondersder Usbeken und Elias-Chodsha's, undTogluk-Timur gab BefehlTimur-Leng zu tödten. Aber dieser Befehl gelangte durch Zufall inTim ur-Leng's Hände, und er, von dieser Gefahr bedroht, entschloss sichkühne und entschlossene Krieger um sich zu sammeln, um die Usbekenzu verjagen. Seine Absicht wurde jedoch entdeckt, er musste entfliehen,von 60 Kriegern begleitet, über den Amu-Darja in die BadagschanschenBerge, und von da in die Steppen von Chowaresm. Auf dem Wege dahinstiess noch ein mit den Usbeken unzufriedener Nachkömmling Dschin-gis-Khan's, derEmirHussein, Regent der Provinz Balch. mit einerkleinen Schaar zu ihm.

Der Regent vonCbowaresm, Tekel-Bagadur, welcher von Elias-Chodsha den Auftrag erhalten hatte, die Bande Tim ur-Leng's auf-zureiben, zog mit 1000 Reitern gegen ihn. Timur aber, mit ausseror-dentlicher Kraft begabt, seit seinem zwölften Jahre schon ein erfahrenerund tapferer Krieger, und von seiner Druschine auserlesener und ver-zweifelter Soldaten umgeben, schlug alle Angriffe Tekel's ab, welchermit Verlust den Rückzug antreten musste. Nun durchwanderte Timurdie turkestansche Steppe von Ort zu Ort, eine glückliche Wendung seinesSchicksals erwartend. Einem der Regenten gelang es, Timur zu er-greifen, er schloss ihn in eine von Reptilen wimmelnde Höhle ein, inwelcher Timur 63 Tage verblieb, bis er endlich durch einen seiner ihmergebenen Leute befreit wurde. Nun begann er von Neuem durch dieSteppen zu wandern, von nur zwölf berittenen Kriegern begleitet. Esschlössen sich ihm einige Turkmenen an, dann nach und nach andereHeimathlose und Missvergnügte, schliesslich hatte er ca. 1000 Mann bei-sammen. Da ihrer aber noch immer nicht genug waren, um sich in einenKampf mit Elias-Chodsha und den Usbeken einzulassen, so wendetesich Timur nach Kandahar. In der Umgegend dieses Ortes stiessennoch etwa 1000 Mann zu ihm, mit deren Hülfe er sich der Provinz Ker-messir bemächtigte und dann nach Balch zog. Schon war sein Ruhmgewachsen, und so vereinigten sich mit ihm noch mehrere hundert Krie-ger, grösstentheils aus den höheren Ständen.

Nachdem sich solchergestalt seine Schaar mehr und mehr verstärkt