780 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
persönlich Theil an dem Kriege Johann Sigismund's gegen Maxi-milian, er begab sich nach Ungarn und belagerte die Festung Szigeth,welche schon mehrmals den Angriff der Türken abgewehrt hatte. Su-1 ei man bemühte sich auf alle Weise die Belagerung und Einnahme derStadt zu beschleunigen, Graf Zriny aber vertheidigte sie mit so ausser-ordentlicher Tapferkeit und Ausdauer, dass er einige verzweifelteSturm-Angriffe der Türken glänzend und mit grossem Verluste für sieabschlug und alle Anstrengungen Suleiman's Szigeth zu bezwingenvereitelte. Der Verdruss und Kummer des greisen Suleiman hierüberführten seinen Tod herbei, der in der Nacht vom 5. zum 6. September1566 ganz plötzlich erfolgte. Seine Veziere verheimlichten dem Heereseinen Tod, der Gross-Vezier Sokolli setzte die Belagerung fort, als obSuleiman noch lebte und trieb die Belagerten so in die Enge, dassihnen endlich Nichts übrig blieb, als sich zu ergeben oder unterzugehen.Zriny war mit seinen Genossen entschlossen, lieber zu sterben, als zucapituliren. Schon war die ganze Festung zerschossen und lag in Trüm-mern, ausgenommen den einen Thurm, in welchem sich der Pulver-keller befand. Am 8. September machte Zriny an der Spitze seinerGefährten einen letzten verzweifelten Ausfall und schlug sich, bis erfiel. Nun drangen die Türken in die Festung, kaum aber waren siehinein gelangt, so flog der Pulverthurm in die Luft und sie kamen Alleum. So hatten die Türken zwar Szigeth genommen, aber es war voll-kommen zerstört, und sie hatten an 20000 Mann dabei eingebüsst. Nunbegann Sokolli den Kückzng, das Heer aber wusste noch immer Nichtsvon dem Tode des Sultans. Inzwischen war es dessen ältestem Sohne,.Selim, gelungen in Konstantinopel ohne irgend welche Unruhen denThron zu besteigen, nur dass die Janitscharen sich von ihm die gewöhn-liche Belohnung erzwangen, welche ihnen bei jeder Thronbesteigungeines neuen Sultans gezahlt wurde.
Suleiman I. war nicht nur ein kriegerischer und tapferer Heer-führer, sondern auch ein weiser Regent und Gesetzgeber, erst gegen dasEnde seines Lebens wurde er wild und grausam. Sein Tod beschloss dieReihe der neun besten unter den ersten türkischen Sultanen und die erstePeriode der heroischen Zeiten der Macht und des Ruhmes für die Türken.Nun beginnt eine Reihe ganz anders gearteter Sultane, grösstentheils un-fähig und unwürdig, und eine Zeit beständigen Verfalls der Turko-Osma-nen und ihres Reiches, obgleich sie noch lange mit den benachbartenStaaten in Europa und Asien Krieg fuhren und ihnen furchtbar sind inFolge ihrer ausserordentlichen inneren Organisation und Kraft, welchesie den ersten und besten Sultanen, besonders Muhammed IL undSelim I. verdankten. Der Erstere hatte seinem Titel die Bezeichnung»Beherrscher der Welttheile und der Meere« hinzugefügt,