774 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
dem liess die Furcht vor den Türken auch bald nach, als Europa ver-nahm, dass Selim gestorben sei.
Letzterer hatte, aus Asien zurückgekehrt, einen Aufstand der Jani-tscharen gedämpft und eine gefährliche in Asien von einem FanatikerDshelali angestiftete Empörung niedergeschlagen, und beschäftigtesich mit der Organisation einer Flotte zum Angriff auf die Insel Rhodosund dem Zusammenziehen eines Heeres zu einem neuen Kriege gegenPersien; auf der Reise von Konstantinopel nach Adrianopel erkrankte ernnd starb am 21. September 1520, nach achtjähriger, durch wichtigeEroberungen in Asien und Afrika ausgezeichneter Regieruug.
§• 172.Kriege Suleiman's I. (1520—66).
Selim's I. einziger Sohn und Nachfolger, Suleiman I. El-Ka-nani (der Gesetzgeber, der Grosse oder Prächtige) war derletzte von den neun berühmtesten ersten türkischen Sultanen, welche dieTürkei auf die höchste Stufe der Macht erhoben. Durch seine ausserge-wöhnliche staatsmännische Begabung und seine Weisheit trug er währendseiner langen 46jährigen Regierung dazu wesentlich bei.
Seine ersten Thaten, nachdem er die Regierung angetreten, warensolche der Gerechtigkeit, — die Niederwerfung mit Waffengewalt desStatthalters von Syrien, welcher ihn nicht als rechtmässigen Thronfolgeranerkannte, —und der Feldzug von 1521 gegen Ungarn, das den beijeder neuen Thronbesteigung in der Türkei zu zahlenden Tribut ver-weigerte. Nachdem er starke Truppen-Corps in die Provinz Sieben-bürgen nach Schabatsch (Sabac) und Belgrad vorausgeschickt, folgte erselbst mit der Hauptmacht dorthin. Schabatsch wurde am 8. Juli ge-nommen, Semlin und Belgrad im August 1521. Nachdem er so seineAhnen gerächt, welche häufige Niederlagen durch die Ungarn erlittenhatten, begann Suleiman sich zum Zuge gegen die Insel Rhodos zurüsten, deren Unterwerfung er für nothwendig befand zur Befestigungseiner Regierung im mittelländischen Meere. Die derzeitigen Streitig-keiten zwischen den Staaten West-Europa's gaben ihm die Zuversicht,dass Letztere dem Orden St. Johannis von Jerusalem keine Hülfe leistenwürden, welcher schon seit 213 Jahren die Insel Rhodos beherrschte.Am 18. Juni 1522 segelte eine türkische, aus 300 Schiffen von verschie-dener Grösse bestehende Flotte mit 10000 Mann Landungs - Truppendorthin ab, während Suleiman selbst mit einem 100000 Mann starkenHeere durch Klein - Asien ebendahin zog. Die Stadt Rhodos wurde zuWasser und zu Lande eingeschlossen und belagert, und nach sechsmonat-licher hartnäckiger Vertheidigung und mühseliger Belagerung, in welcher