Kriege der Türken. 773.
gleich, das Heer der Mameluken in demselben so geschwächt und desor-ganisirt, dass Tumanbai, endlich nicht mehr im Stande sich im offe-nen Felde zu halten, gezwungen war, Zuflucht bei einem ihm verpflich-teten Araber zu suchen. Dieser Letztere aber lieferte ihn treuloser Weiseden Türken aus, welche am 26. März 1517 ihn gefangen setzten. Selimbehandelte ihn erst mit Achtung, als er aber einst in den Strassen vonKairo den Ruf vernahm: »Gott gebe dem Sultan Tumanbai den Sieg!«wurde er misstrauisch und beunruhigt und Hess Tumanbai auf henken(13. April 1517). Er verblieb in dem eroberten Aegypten bis zum Sep-tember desselben Jahres, übergab die Verwaltung des Landes einem zuihm übergegangenen Verräther, Emir der Mameluken, nahm feierlich denTitel »Diener und Beschützer von Mekka und Medina« an,schickte dorthin eine Carawane von Pilgern mit reichen Geschenken,durchreiste, mit der Organisation der unterworfenen Länder Aegyptenund Syrien beschäftigt, beide langsam und kehrte erst im August 1518nach Konstantinopel zurück.
Solchergestalt war also von den zwei an die Türkei grenzendenReichen in Asien und Afrika das eine, — der Mameluken, — von Selimunterworfen, das andere, — persische, — so geschwächt worden, dassder Schah von Persien eine Gesandtschaft mit reichen Geschenken undGlückwünschen wegen der Eroberung von Syrien und Aegypten an Se-lim schickte.
Die Kunde von diesen Erfolgen und Eroberungen Selim's erregteim westlichen Europa noch grössere Bestürzung und Angst, als in Asienund Afrika, und um so mehr, als in dem Sultan der Mameluken ein mäch-tiger Verbündeter in einem Kriege gegen die Türkei verloren gegangenwar. Der Papst L eo X. bot seinen ganzen Einfluss auf, um West-Europazu einem allgemeinen Kreuzzuge gegen die Türken zu bewegen, undentwarf im Einverständniss mit den Mächten ersten Ranges einen bedroh-lichen Plan zu diesem Zuge. Es sollte nämlich der römische KaiserMaximilian I. mit den ganzen vereinten Kräften Deutschlands, Polensund Ungarns über den Balkan auf Konstantinopel marschiren; der franzö-sische König Franz I. mit seinen und den italiänischen Truppen und mit16000 Schweizern zur See auf Schiffen nach Brindisi fahren; die FlottenVon Spanien, Portugal und England aus dem Hafen von Kartagena aus-laufen uud sich im Hellespont (Dardanellen) vereinigen; endlich derPapst selbst in Ancona zu Schiffe steigen und mit allen christlichen Streit-kräften gegen Konstantinopel ziehen. Dieser Plan, an und für sich schonsehr schwer auszuführen, war um deswegen ganz unmöglich, weil zurselben Zeit in Deutschland die kirchliche Reformation begann und nundas westliche Europa dem Papste den Gehorsam verweigerte. Ausser-
(ralitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 50