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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege der Türken. 771

Kurdistan und Mesopotamien zu erobern. Da ein grosser Theil derKurden-Beg's auf die Seite der Türken getreten war, so eroberten Letz-tere Diarbekr, dann die Festung Mardin, welche für unüberwindlichgalt, und die Städte Nisib, Miafarakain, Dshesireh-Omar, Mossul, Orfa(Arfa) und Rakka. So hatten die Türken die drei persischen Statthalter-schaften : Diarbekr, Rakka und Mossul, und Kurdistan erobert, derenBewohner indessen unter der Verwaltung ihrer eingeborenen Aeltesten,aber unter der Oberhoheit der Türkei verblieben. Diese Letztere, inAsien sich über Mesopotamien ausbreitend, erlangte eine dauerhafteAbrundung, während Persien, wenn auch durch die Eroberungen derTürken geschwächt, doch nicht überwunden war und den Kampf gegendie Türkei fortsetzte.

Inzwischen hatte Selim den Plan zu einem neuen Kriege gegendas Reich der ägyptischen Mameluken gefasst. Schon lange hatten dietürkischen Sultane mit Neid auf die Sultane der Mameluken geblickt,weil diese die Ehre hatten, die Beschützer von Mekka und Medina zusein. An Veranlassungen zu einem Kriege mit ihnen fehlte es nicht, aberder Krieg Bajazid's IL mit ihnen hatte gezeigt, dass sie nicht leichtzu überwinden seien. Trotzdem entschloss sich Selim zu einemKriege gegen sie. Ihr damaliger Sultan Kanssu-Chawri, der denEinfall der Türken von Diarbekr her erwartete, hatte sich zum Kriegegerüstet und stand mit seinem Heere in Syrien, als im Jahre 1516Selim gegen ihn vorrückte. Der 80jährige, misstrauische Kanssuhatte Viele aus seiner Umgebung und von den Heerführern beleidigt,indem er sie ungerechter Weise des Verrathes verdächtigte. Das warschon sehr nachtheilig für ihn, ausserdem aber hatten in der am24. August 1516 bei Aleppo auf der Dabik-Wiese oder Felde (Merdsch-Dabik) stattfindenden Schlacht die Türken eine entschiedene Ueber-legenheit durch die Artillerie, welche die Mameluken gar nicht besassen,deren getrennte Corps zudem ohne Einheit und Uebereinstimmungagirten. Das Alles war Ursache, dass die Schlacht kurz und unblutigverlief: das Heer der Mameluken wendete sich zur Flucht, Kanssustarb plötzlich auf der Flucht. Die Frucht dieses Sieges für die Türkenwar die Unterwerfung nicht nur von Aleppo, sondern von ganz Syrien.Aleppo und alle G-renz-Fcstungen ergaben sich sogleich an Selim,welcher ungesäumt den Titel »Diener von Mekka und Medina« annahm.Von Aleppo zog er auf Damaskus. Hier konnten die Mameluken sichüber die Wahl eines Sultans nicht einigen und zogen nach Kairo, demarabischen Emir den Schutz von Damaskus, der Hauptstadt von Syrien,übertragend. Aber der Emir übergab diese Stadt an Selim am4. Oktober 1516. Hier blieb Selim den Winter über und traf die er-forderlichen Vorbereitungen zu dem Zuge im Frühling des nächsten