770 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjübrigen Kriege ete.
mohammedanische Sekte) in dem ganzen Gebiete seines Reiches um-bringen Hess. Dies verwickelte ihn in einen furchtbaren und blutigenreligiös-politischen Krieg mit dem Schah von Persien, Ismael, dessenUnterthanen, die Perser, eifrige Schiiten waren.
Die Geschichte Neu-Persiens seit der Zeit des Verfalls der Fatimiden-Kkalifen-Dynastie ist erfüllt mit den blutigen Bürgerkriegen der beidenGeschlechter: Usun Hassan's, der Persien erobert hatte (s. oben) undS o f e s (S a f i s') aus Erdebil. Der Erste aus diesem letzteren Geschlechtewar D s h u n e n d, welcher so lange mit den türkischen Sultanen im Kriegelag (s. oben), und Chaider zum Sohne, Ismael zum Enkel hatte.Dieser Letztere besiegte von 1502—14 die Enkel Usun Hassan's.setzte sich auf dem persischen Throne fest, und befestigte diesen Thronnicht sowohl durch Siege, als dadurch, dass er die Lehre der Schiitenin Persien begünstigte und zur herrschenden machte. Dies und anderepolitische Gründe führten zu feindlichen Beziehungen zwischen derTürkei und Persien. Selim beschloss einen unversöhnlichen Krieggegen Ismael zu führen und begann, wie gesagt, mit der Ermordungaller in der Türkei lebenden Schiiten. Natürlich musste dies auchIsmael zu einem gleich unversöhnlichen Kriege gegen Selim be-stimmen.
Im Frühjahr 1514 rückte Selim in Persien ein, welches durch denEuphrat von der Türkei getrennt war (ähnlich wie einst vom römischenReiche). Der langwierige und ermüdende Marsch in einem vonNatur schon sterilen und zum Theil auch durch die Perser absichtlichverheerten Lande erregte in Selim's Heer solche Unzufriedenheit, dasses der ganzen Festigkeit des Geistes und Energie des Willens bei Se-lim bedurfte, um das Heer von der Umkehr abzuhalten. Eine eintre-tende Sonnenfinsterniss gab'demselben neuen Muth, indem sie als glück-verheissendes Vorzeichen für die Verdunkelung des Ruhmes von Persienangesehen wurde, in dessen Banner die Sonne abgebildet war, wie indem türkischen der Mond. Einige Tage nachher stiess in dem ThaleTschalderan Selim's Heer unvermuthet auf das von Ismael, am23. August 1514 kam es hier zur Schlacht, in welcher Selim Dankseiner an Zahl und Güte überlegenen Infanterie und Artillerie einen ent-scheidenden Sieg erfocht. Ismael wurde verwundet und entging nurdurch die Selbstaufopferung von zweien seiner Freunde der Gefangen-schaft. Am 15. Tage nach dieser Schlacht zog Selim in Terbis (Tauris,Tabriz), der Residenz Ismael's, ein; aber eine Empörung der Janit-scharen, welche darauf bestanden, dass Selim zur Türkei zurückkehre,nöthigte ihn nach Amasia in Winterquartiere zurückzugehen. Von hierbegab sich Selim für seine Person nach Konstantinopel (1515), seinenFeldherren überlassend, den Sieg von Tschalderan auszunutzen und