Kriege der Türken. 767
dens und griff nur wenn es unvermeidlich war zu den Waffen. So warer gleich zu Anfang seiner Kegierung genöthigt, gegen seinen einzigenBruder Dshem (oder Sisim , wie ihn die Europäer nennen) zu Felde zuziehen, welcher Ansprüche auf den Thron erhob. D shem bemächtigte sichBrussa's und schlug Baj azid vor, für sich die Herrschaft in Europa zubehalten, ihm dagegen die in Klein-Asien zu überlassen. Aber Baj azidwilligte nicht in solche Zerstückelung des Reiches, zog mit einem Heerenach Klein-Asien gegen Dshem und besiegte ihn am 20. Juni 1481 beiJenischer. Dshem floh nach Kairo zum Sultan der Mameluken und bliebdort so lange bis er von einer Menge mit Baj azi d Unzufriedener wiedernach Klein-Asien berufen wurde. Aber im Jahre 1482 wurde er abermalsvon Baj azid geschlagen und floh nun auf die Insel Rhodos zu den Jo-hanniter-Rittern, um von da, wie einst Musä, einen Aufstand in deneuropäischen türkischen Gebieten anzufachen. Der Johanniter-Orden nahmihn auf, versprach aber, auf seine eigenen Interessen bedacht, Baj a zid.Jenen in ewiger Gefangenschaft zu behalten, falls dem Orden nicht nurder Frieden auf günstige Bedingungen, sondern auch noch eine jährlicheZahlung von 45000 Golddukaten, gleichsam für den Unterhalt Dsheinsbewilligt würde. Unter dem Vorwaude, dem Letzteren die Mittel zu ver-schaffen, um durch Frankreich, Deutschland und Ungarn in die euro-päische Türkei einzudringen, brachte der Orden ihn nach Frankreich,wo er sieben Jahre gefangen gehalten wurde, und lieferte ihn dann anden Papst aus, welcher ihn gleichfalls dazu benutzte, von Baj azid einebedeutende Geldsumme zu erlangen. Im Jahre 1494 unternahm KönigKarl VIII. von Frankreich einen Zug nach Neapel, von wo er einenweiteren Zug gegen die Türken zu machen und das griechische Reichwieder herzustellen gedachte; er zwang den Papst, Dshem ihm auszu-liefern, welcher dann auch an der Campagne Karl's VIII. theilnahm,hier aber im Jahre 1495 starb, wie man glaubt — an Gift.
Alle diese Dinge: die Aufstände der Janitscharen und Dshem's,und die arglistige Politik der europäischen Regierungen in Bezug aufBaj azid und Dshem können einen Begriff geben von der inneren Lage,wie von den äusseren internationalen Beziehungen, in welchen das tür-kische Reich sich damals schon befand. In Folge des friedliebendenCharakters Bajazid'sII. kamen in dem türkischen Reiche so grosseund unaufhörliche Kriege, wie unter Muh am med und dessen Vorgän-gern bereits nicht mehr vor. Aber an vereinzelten partiellen Kriegs-Er-eignissen zwischen den Türken und einigen christlichen Staaten ist nochkein Mangel. An diesen Kriegszügen nahm Baj azid selbst nicht Theil,seine Feldherren führten diese Kriege mit wechselndem Erfolge.
Weit wichtiger war der zwischen den zwei Türken-Reichen der Os-manen und der Mameluken in Europa und Syrien sich erhebende Zwist.