766 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.
nach, sie wurden am 26. Juli 1473 von ihnen bei Terdshanj besiegt.Karaman blieb in der Gewalt der Türken und wurde von Muhammedseinem zweiten Sohne D s h e m mit der Würde eines Statthalters ver-liehen.
Nach Beendigung des Krieges in Klein-Asien richtete Muhammedvon Neuem seine Waffen gegen Europa, vernichtete vor Allem diegenuesischen Ansiedlungen an der Krym-Küste und unterwarf dann auchdas krymsche tatarische Khan-Keich der Ghireer seiner Botmässigkeit.Zur selben Zeit bedrängte er Kroja und Skodra, nahm Ersteres mitoffener Gewalt, und als auch das Letztere sich im Jahre 1479 ergab, warVenedig gezwungen, den Frieden zu erkaufen. Nunmehr im Besitze derwichtigsten Punkte, von denen aus er in das christliche Europa einbrechenkonnte, schickte er ein Landheer nach Ungarn, eine Flotte gegen dieInsel Rhodos, und eine andere an die Küste von Unter-Italien. Diebeiden ersten Unternehmungen wurden aber durch die Tapferkeit derUngarn und der Johanniter-Ritter vereitelt, die dritte, an deren SpitzeAchmed-Pascha stand, fasste in Italien festen Fuss. Im Juli 1480landete Achmed-Pascha in Otranto, das er am 11. August mitstürmender Hand eroberte : die Bewohner wurden theils niedergemacht,theils in die Sklaverei geschleppt. Dies versetzte ganz Italien inSchrecken, selbst der Papst dachte schon daran, Italien zu verlassenund seine Residenz nach Frankreich zu verlegen. Am 3. Mai desfolgenden Jahres 1481 starb aber Muhammed (im 51. Jahre seinesLebens und 30 seiner Regierung). Und kaum war Italien von diesemfurchtbaren Feinde befreit, so wurde auch Otranto den Türken ent-rissen.
§. 222.
Kriege Bajazid's II. (1481—1512).
Den Tod Muhammed's IL verheimlichte man bis zu dem Zeit-punkt, da sein Sohn und Nachfolger Bajazid IL eintraf und die Re-gierung übernahm. Das Heer hatte aber doch schon vorher vom TodeMuhammed's gehört, und die Folge davon war ein neuer und furcht-barer Aufstand der Janitscharen. Sie erschlugen den Grossvezier undplünderten Konstantinopel, und als endlich Bajazid erschien, war ernicht nur gezwungen ihnen zu verzeihen, sondern sogar ihnen Geld-Ge-schenke zu machen, wie das gewöhnlich von dem neuen Sultan bei seinerThronbesteigung geschah (ganz genau wie es bei den römischen Impera-toren zur Zeit der Prätorianer üblich war). Es ist übrigens zu bemerken,dass Bajazid IL ein friedliebender Sultan war und nicht den festenCharakter seines Vaters besass. Er liebte die Beschäftigungen des Frie-