768 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum drcissigjährigen Kriege etc.
Die Sultane von Syrien hatten nach Vernichtung der fränkischen Colo-nieen an den syrischen Küsten sich ebenso sehr in dem Kriege gegen dieChristen wie gegen die Mongolen ausgezeichnet. Im Verlaufe des 13.und 14. Jahrhunderts war das Reich der Mameluken beständig an Aus-dehnung und Macht gewachsen, ihre Sultane wurden vorzugsweise, seit1382 sogar ausschliesslich aus den Tscherkessen gewählt. Zu Anfangdes 15. Jahrhunderts geriethen sie in Streit mit Timur, der Aleppo undDamaskus zerstörte. Bis zu Timur's Abzüge nach Asien hatten dieMameluken, von dem Reiche der osmanischen Türken in Klein-Asiendurch Diarbekr und Karaman getrennt, mit den osmanischen Türkennoch keinen direkten Zusammenstoss gehabt. Von da an aber, wo Ka-raman unter Muhamme d II. endgültig der osmanischen Gewalt anheimfiel, kam es zwischen beiden gleich kriegerischen Reichen zu heftigenFrictionen. Ihre kriegerische Ueberlegenheit über die Osmanen fühlend,behandelten nach Muh am med's II. Tode die Mameluken Jene undBajazid II. mit offener Verachtimg. So beraubten sie auf dem Wegedurch Aegypten die Gesandten Indiens an Bajazid, welche reiche Ge-schenke brachten, gewährten Dshem bei sich Aufnahme und Unter-stützung, und bemächtigten sich vieler Schlösser bei Adana und Tarsus,auf welche die Osmanen Ansprüche hatten. Dies Alles nöthigte denfriedliebenden Bajazid, einen Krieg gegen sie zu unternehmen. ImJahre 1485 befahl er die von den Mameluken fortgenommenen Schlösserwieder zu nehmen, aber die Feldherren der Mameluken schlugen die os-manischen ab. besiegten sie in drei Schlachten, und im Jahre 1491 wurdeein Friede geschlossen, ruhmreich für die Mameluken, unrühmlich fürdie Osmanen. — denn die Ersteren blieben im Besitz der streitigenSchlösser und hatten bei dem ersten Zusammenstoss mit den Osmanenüber sie gesiegt.
Im Jahre 1492 wollten die Türken sich durch plötzlichen UeberfallBelgrad's bemächtigen, wurden jedoch mit grossem Verluste abgeschla-gen. Danach wendeten sie sich gegen Albanien und Epirus, Steyer-mark und Kärnthen, Kroatien und Transsylvanien, verheerten sie furcht-bar , wurden aber bei Villach von einem in der Eile sich sammelndenChristenheere aufs Haupt geschlagen. Im Jahre 1493 erfochten sie sel-ber einen Sieg in Ungarn, erlitten aber grossen Abbruch durch unga-rische fliegende Corps, welche in die türkischen Grenzen einfielen, end-lich schlössen sie im Jahre 1495 einen Waffenstillstand mit Ungarn aufdrei Jahre. In den Jahren 1494—95 eroberten sie in Bosnien viele Bur-gen, und drangen auch in Dalmatien ein, — was einen Krieg mit Venedigzur Folge hatte. Zur selben Zeit begann ihr Krieg mit Polen wegen desvon dem polnischen Könige Johann I Albrecht gebrochenen Friedens.Im Jahre 1498 drang eine starke türkische Armee zweimal in die süd-