760 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
die Stadt heran, schleppten Kanonen, rollten Schanzkörbe herbei, brach-ten hölzerne Castelle, von der See her Schiffe heran, begannen die Stadtzu bestürmen und Brücken über die Gräben zu schlagen. Nachdem dieVertheidiger von den Mauern vertrieben, brachten sie alle ihre Maschinenund Geschütze dicht heran, stellten die Leitern auf und suchten dieMauern zu ersteigen. Zur selben Zeit warf sich Muham med selbst mitden Janitscharen auf die Bresche, doch gelang es Giustiniaui ihn ab-zuhalten. Konstantin, der zu Pferde herbei eilte, wollte durch dieBresche stürzen, man hielt ihn aber fest, und er focht nun wie ein Ver-zweifelter in der Bresche. Den vordersten Reihen der Türken folgtenimmer und immer neue Haufen, auf welche die Belagerten Pech undSchwefel herabgossen. Der furchtbare Kampf währte noch über Sonnen-Untergang fort; Muhammed Hess eine Menge Feuer anzünden und rittüberall umher, seine Truppen antreibend. Aber auch die Belagertenkämpften mit Tapferkeit auf den Mauern bis Mitternacht, wo der Kampferlosch. Die Türken aber gingen nicht zurück, sondern blieben bei denMauern, die Maschinen und Geschütze bewachend.
Am folgenden Tage, 27. Mai, befahl Muhammed von Neuem eineBresche mit Geschützen zu legen. Um 3 Uhr Nachmittags wurde dreimalaus dem Riesen-Geschütz gegen denThurm gefeuert, der dann einstürzte.In der Nacht suchte Giustiniani einen neuen Thurm zu bauen, plötz-lich traf ihn eine matte Steinkugel gegen die Brust, und er fiel besin-nungslos nieder. Man trug ihn nach Hause, brachte ihn zum Bewusstseinzurück, und kaum hatte er sich ein wenig erholt, so liess er sich auf den-selben Platz zurückfuhren und setzte die Construction des Thurmes fort.
Am 28. Mai Morgens drangen die Türken wieder gegen die Breschevor und ein heftiger Kampf entbrannte von Neuem. Die Türken gewan-nen die Oberhand, Giustiniani aber stand mit seiner Schaar fest, daerhielt er einen Schuss in die rechte Schulter (Pfeil oder Kugel ist nichtganz gewiss) und fiel für todt zur Erde. Man trug ihn fort, die Fremdengingen mit fort, die Türken aber, dies bemerkend, stürzten sich auf dieGriechen und trieben sie in die Flucht; die Stadt wäre verloren gewesen,wenn nicht Konstantin mit der auserlesenen Schaar herbeigeeilt wäre,die Griechen zu neuem Muthe entflammt und die Türken gewaltig nieder-gemetzelt hätte. Er drängte sie zur Bresche hinaus und rettete dadurchfür diesmal noch die Stadt.
Muhammed, der den Untergang seiner Truppen und das Erfolg-lose aller seiner Anstrengungen sah, berief in der Nacht einen Kriegsrathund dachte schon auf den Abzug, aber seine Imams und Schriftgelehrtenprophezeiten, dass »die Stadt verderben würde«, und ihnen Glaubenschenkend, befahl er, dass Alles sich zu einem neuen, letzten, entschei-denden Sturme rüsten solle..