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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege der Türken. 7G1

Und dieser Sturm begann am 29. Mai frühmorgens, heftig undfurchtbar, von allen Seiten. Zu Pferde und zu Fuss drangen die Türkenmit Geschütz wüthend gegen die Stadt, besonders gegen die Bresche,auf welche das Feuer der Kanonen gerichtet wurde; sie vertrieben dieVertheidiger. füllten den Graben aus, machten den Weg frei, stürmtenin die Bresche und drängten die Vertheidiger zurück. Hier entbrannteder heisseste Kampf, an welchem Konstantin selber Theil nahm,der die Türken zu der Bresche zurückwarf. Der östliche Begler-Bey,ein Riese an Gestalt und Kraft, warf sich auf ihn, wurde aber von denGriechen getödtet. Nun rückte Muhammed selber gegen Konstan-tin vor, liess die Kanonen auf ihn richten und schickte 3000 auserleseneKrieger ab, um ihn todt oder lebendig zu fassen, und zugleich gingauch Baltaugli-Pascha mit vielen Truppen gegen die Bresche an.Die Umgebung Konstantin's wollte ihn mit Gewalt aus dem Kampfeentfernen, doch das gab er nicht zu, indem er sagte, dass er versprochenhabe dort mit ihnen zu sterben. Indessen war Baltaugli-Paschamit seinen Truppen herbeigeeilt, hatte die Griechen zurückgedrängt undwar in die Stadt und deren Strassen gedrungen. Diesem nach schickteMuhammed alle seine Truppen, um auf Konstantin in allen Strassenund Thoren zu fahnden, er selbst blieb mit den Janitscharen beim Tross,sich mit Geschützen umgebend. Indessen war Konstantin in denSophien-Tempel gegangen, hatte das heilige Abendmahl genommen, derKaiserin Lebewohl gesagt, von dem Patriarchen und der GeistlichkeitAbschied genommen, stieg dann zu Pferde und ritt zu dem GoldenenThore. Nur 3000 Krieger hatte er bei sich. An dem Thore stiess er aufeine Menge Türken, kämpfte mit ihnen, machte eine grosse Anzahl miteigener Hand nieder, wurde aber endlich selbst von ihnen niederge-stossen. Darnach setzte das Gemetzel sich in Strassen und Höfen fort:die Soldaten vertheidigten sich in den Stadtthürmen, die Einwohner vonihren Dächern herab, indem sie Steine, brennende Balken u. s. w. aufdie Türken schleuderten. Die Sandshak-Begi schickten Boten an denSultan und Hessen ihm sagen, wenn er nicht selbst käme, würde er dieStadt nicht überwältigen. Muhammed rief die gefangenen Grosswür-denträger und Strategen zu sich, beschenkte sie und schickte sie an dieSandshak-Begi, um den Bürgern und Kriegern sein eidliches Wort zuverpfänden, dass sie weder Tod, noch Gefangennahme, noch Verwü-stung fürchten sollten, wenn sie den Kampf einstellten. und zugleichbefahl er den Kaiser und die Kaiserin zu suchen. In Folge dessen hörteder Kampf in der Stadt auf, und nachdem Muhammed hatte dieStrassen und Märkte reinigen und Vorsichtsmaassregeln gegen Verrä-therei ergreifen lassen, zog er selbst zu Pferde durch das Thor SanctRomani in die Stadt ein gradeswegs zum Sophien-Tempel. Auf dem