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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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758
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758 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

bereiteten hinter den Mauern Gefässe mit Pech, Schwefel und Pul-ver vor.

Als das Riesengeschütz ausgebessert und mit eisernen Reifen ver-stärkt war, Hess Muh am med es von Neuem vorbringen und darausschiessen. Beim ersten Schusse aber zersprang es in Stücke. Nun be-fahl Muh am med grosse bedeckte Kasten (Mauerbreche-Maschinen) anden Graben zu schieben, den Graben mit Holz, Reisig und Erde auszu-füllen und die Mauer zu untergraben, damit sie einstürzte. Die Bela-gerten aber sprengten ihre Pulverminen und mit ihnen die arbeitendenTürken und die Maschinen in die Luft. Die übrigen Türken entflohenin ihr Lager, ebenso die Belagerten in das Innere der Stadt, bald aberkehrten die Einen wie die Andern zurück, und nun warfen die Bela-gerten die Gefässe mit Pech, Schwefel und Pulver auf die im Grabenbefindlichen Türken hinab. Die Türken zogen sich zurück, die Verthei-diger aber stiegen von den Mauern in den Graben und machten die nochdarin befindlichen Türken nieder. So war auch dieser dritte Sturm ab-geschlagen.

Zur selben Zeit erlebte Muhammed auch den grossen Aerger undVerdruss, dass sechs Kriegs-Galeeren unter griechischer und genueserFlagge die türkische Flotte durchbrachen und wohlbehalten den Stadt-Hafen erreichten. Schon verzweifelte er fast an der Einnahme von Kon-stantinopel und begann auf den Rath seines Gross - Veziers Chalil-Pascha zu hören, der die Belagerung aufheben wollte,als ihmplötzlich ein Gedanke kam, welchen nur eine so ausserordentliche Wil-lenskraft und Beharrlichkeit wie die seinige zur Ausführung bringenkonnte. Er Hess auf dem Lande von einem Meer zum anderen einigeseiner Flösse und kleineren Schiffe in das obere Ende des Stadt-Hafensschleppen, der durch die Kette gesperrt war. Schrecken ergriff die Be-wohner von Konstantinopel, als sie diesen Hafen in der Gewalt der Tür-ken sahen. Aber auch jetzt wollte Konstantin Nichts von Uebergahehören und war entschlossen, sich bis auf den letzten Blutstropfen zu ver-theidigen.

Am 6. Mai wurde Muhammed gemeldet, dass das gesprungeneRiesen-Geschütz neu gegossen und zum Schiessen bereit sei. Muham-med gab Befehl, es wieder heran zu führen und auf dieselbe Stelle wievordem zu richten, und das Heer musste sich zu einem neuen Sturm vor-bereiten. Nach langem Feuern wurde auch aus dem grossen Geschützegeschossen und viele Steine aus der Mauer gebrochen: ein zweiter Schusslegte eine grosse Bresche in die Mauer; man setzte das Feuer Tag undNacht fort, um die Bresche zu erweitern und den Belagerten nicht zu ge-statten, sie zu schliessen. Dennoch gelang es in der Nacht den Belager-ten, dahinter einen grossen hölzernen Thurrn zu errichten. Am anderen