Kriege der Türken. 757
diesem Sturm (am 15: April) führte er sein Heer von Neuem gegen dieStadt vor.
Inzwischen hatte Konstantin überallhin gesendet, nach Moreazu seinen Brüdern, nach Venedig, nach Genua, und um Hülfe gebeten,— umsonst. Seine Brüder kamen nicht, weil sie unter einander und mitden Albanern im Krieg lagen, und aus Venedig und Genua kam ausserder schon gesendeten keine neue Hülfe.
Am 23. April schleppten die Türken grosse und kleine Geschützegegen die Stadt heran, darunter auch zwei von ungeheuren Dimensionen.Das allergrösste mit einem inneren Rohrdurchmesser von vier Fuss, schoss500 Pfund schwere Kugeln auf eine Entfernung von 550 Sashen. Eswurde gegen das Thor St. Romani und die nächsten Mauern, alte undniedrige, gerichtet: beim erstenSchuss schwankte die Mauer, beim 2tenwurde der obere Theil auf 5 Sashen herabgestürzt. In der Nacht aberbesserte Giustiniani diese Stelle aus und führte dahinter eine andereHolzmauer mit Erdanwurf auf.
Am folgenden Tage beschossen die Türken dieselbe Stelle mit vielenKanonen und dann wieder aus demselben grossen Geschütze, dessenKugel 7 Mauerzinnen herabriss und eine Kirchenmauer durchschlug.Gegen Mittag wurde dasselbe Geschütz wieder herangebracht, Giusti-niani aber hatte seine Kanonen darauf gerichtet, traf und zerbrach dasBodenstück und machte das Rohr dadurch unbrauchbar. Darüber erzürntbefahl Muhammed dem Heere zu stürmen, aber auch die Vertheidigerwaren bis auf den letzten Mann bewaffnet auf den Mauern. Und wiederentbrannte unter dem furchtbaren Geschrei der Türken und dem Klangeder Stadtglocken auf den Mauern ein grausames Gemetzel, das sich bis zurNacht fortsetzte. Die Türken zogen wieder ohne Erfolg ab und hatten sehrbedeutende Verluste erlitten (griechische Quellensagen etwa 35000 Todte).Aber auch die Belagerten hatten 5700 Todte, — ein ungeheurer Verlustfür sie, — und ausserdem viele Verwundete.
10 Tage danach (am 3. Mai) befahl Muhammed seinem Heere sichzu einem neuen Sturme zu rüsten, hatte inzwischen aber auch das be-schädigte Rohr ausbessern und noch stärker als vorher machen lassen.Der Patriarch Athanasius und die Grossen baten Konstantin dieStadt zu verlassen und einen ungefährlichen Ort aufzusuchen, doch warer dazu nicht zu bewegen und antwortete mit Entschiedenheit, dass ersie nicht verlassen und mit ihnen untergehen werde. Von Neuem wurdenGesandte nach Morea, auf die Inseln und in die westlichen Ländergeschickt, um Hilfe zu erbitten.
Indessen schlugen die Belagerten bei Tage sich mit den Türken,in der Nacht aber gingen sie in die Gräben hinaus, schlugen die Mauernnach dem Felde zu durch, füllten sie mit Pulver und allem Zubehör, und
G-alitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 49