Kriege der Türken. . 755
der Stadt, der rechte (die asiatischen Truppen) lehnte sich an das Uferder Propontis (Marmora-Meeres), — und im ,Centrum gegenüber demThore des heiligen Komani (heute Topkapussi oder Kanonier-) stand diebeste und auserlesenste Truppe, — die Janitscharen, — hinter denen dasZelt Muhammed's selbst aufgeschlagen war. Weniger stark und furcht-bar als das'Landheer war die türkische Flotte, welche aus 320 Schiffenbestand, von denen nur 18 Kriegsgaleeren (Ruderschiffe).
Dieser ungeheuren Macht und den gewaltigen Mitteln Muhammed'skonnte Konstantin nur ganz unbedeutende Streitkräfte entgegenstellen,obwohl er sich auf alle Weise zu dem verzweifeltsten Widerstände rüstete.In Konstantinopel befanden sich noch an 100000 Einwohner männlichenGeschlechts, doch waren von diesen nur etwa 5000 entschlossen die Stadtzu vertheidigen, die anderen setzten alle ihre Hoffnung auf die nach ihrerMeinung unüberwindliche Stärke der Stadt-Befestigung, welche aus einerdoppelten Reihe von hohen steinernen, 10 — 20 Fnss dicken Mauern mit500 ebensolchen Thürmen bestand. Trotzdem aber war die Bevölkerungder Stadt in grosser Verzagtheit und Furcht, nur Konstantin alleinverlor nicht den Muth und behielt festen Sinn, obschon er wusste, dassihm Nichts übrig blieb, als mit Ehren bei Vertheidigung der Stadt zu fal-len. Ausser den 5000 griechischen Beschützern derselben waren noch kaum2000 Venezianer und Genueser da, aber eben so tapfer, wie erfahren undgeschickt im Kriegs-Wesen. Den Oberbefehl in der Stadt übertrug Kon-stant in dem tapferen GenuesenGiovanniGiustiniani, dessen Schaaraus den edelsten Venezianern und Genuesen und einigen VerwandtenKonstantin's bestand. Dem Ingenieur-Wesen stand ein Deutscher.JohannHermann, vor. Der Port oder Hafen der Stadt war durch eineungeheure Kette geschlossen und sollte durch eine kleine griechischeFlotte vertheidigt werden Giustiniani selber übernahm mit 700 Ita-liänern die Vertheidigung des Thores St. Romani, und die beiden BrüderPaul und Antonius Tropilli mit einer Abtheilung die des Polyandrow-schen Thores*); — vom Pestschanny"* 1 ) (heutigen Psamatia-Kapussi)Thore bis zum Semibaschenny**^) Schloss — der Genuese Manuel mit200 Bogenschützen, — von da bis zum Thore Krudeskale (heutigen Kum-Kapussi) der Venetianer Giacopo Cornaro; — und endlich den Raumzwischen dem Thiergarten-Thore (heutigen Chaiwan-Seraikapussi) undden Palästen (heutigen Balat-Kapussi) die Venetianer unter Davalo.Der griechische Gross-Adrniral Lukas Natares oder Natara standmit seiner Abtheilung an dem unteren Phanara-Thore. Auf diese Weiselag also die ganze vordere und Haupt-Vertheidigung der Stadtmauer und
*) Spruner's Atlas : Porta Myriandri. **) Petschanny = Sand-Thor.
***) Semibaschenny Schloss = siebenthürraig. Anm. d. Uebers.