Kriege der Türken. 753
bei den Türken weichen musste, würde der unbedeutende Ueberrest desgriechischen Kaiserreiches sehr bald ihnen als leichte Beute zugefallensein, wenn nicht zwei Umstände dies auf einige Zeit verschoben hätten.Der erste war der Zug der Mongolen unter Timur's Anführung, durchwelchen ihre Macht gedemüthigt wurde und eine kurze Unterbrechungin der weitern Entwicklung derselben eintrat. Der andere war das inMurad's IL Regierung fallende Auftreten zweier ungewöhnlicherMänner, der Helden Hunyad und Skanderbeg, gegen die Türken,von welchen der Eine Ungarn schützte, der Andere aber Albanien undEpirus gegen sie bewaffnete und ihnen solchen Widerstand leistete, dassselbst Murad IL denselben nicht zu überwinden vermochte. Hierdurchbesonders wurde der Sturz des griechischen Reiches um mehrere Jahreverzögert. Als jedoch der Sieg Murad's IL bei Varna im Jahre 1444 dieEroberungen der Türken in Europa sicher gestellt hatte, begannen dieschon lange auf Unterwerfung der Griechen sinnenden türkischen Sul-tane sich nachdrücklicher hiermit zu beschäftigen, und Muhammedll.noch mehr, als sein Vater Murad IL Und die Lage des griechischenReiches zu jener Zeit gab selbst den Anlass dazu. Die Ohnmacht diesesReiches und seiner Regierung war gegenüber der Macht der Türken zuklar, der Fall des grossen Reiches vor dieser Macht nur eine Frageder Zeit. Und dennoch, —wie gefahrvoll auch für die griechischen Kaiserder Besitz von Konstantinopel war, — er hörte nicht auf Gegenstandihres Ehrgeizes zu sein. Johann VI. Paläologus war 1448 gestorben(drei Jahre nach'Murad's IL Tode), hatte keine Kinder hinterlassen,sondern nur drei Brüder: Konstantin, Demetrius, und Thomas.Von diesen machte Demetrius, weil geboren als sein Vater schonKaiser war. nach Johann's Tode seine Ansprüche auf den Thron gel-tend. Aber die Kaiserin-Mutter, Geistlichkeit und Volk erklärten sichfür den älteren Bruder Konstantin, der sich zur Zeit in Morea befand.Und Murad IL selbst erklärte sich für ihn. In Folge dessen traf Kon-stantin im März 1449 in Konstantinopel ein und Destieg den Thron alsKonstantin XIII., seine Besitzungen aher in Morea gingen auf seineBrüder Demetrius und Thomas üb er.
Konstantin, mit ausgezeichneten Eigenschaften des Geistes undder Seele ausgestattet, war des Thrones werth, wenn auch zu besserenZeiten als damals. Er gab aber selber Muh am med den Anlass zurAusführung seiner Pläne, indem er unvorsichtiger Weise für den Un-terhalt des türkischen Thronfolgers Orchan oder Urchan in Kon-stantinopel grössere Summen Geldes forderte, als welche Murad ILund dessen Vorgänger jährlich bezahlt hatten, und andernfalls Orchanfreizulassen drohte. Diese sogar von einer Drohung begleitete For-derung bewog Muh am med nur, seinen Feldzug in Klein-Asien durch