Kriege der Türken. 743
sehen Reiche. Der geblendete und in den Kerker geworfene Sohn Jo-hann's, Andronikos, bat Bajazid um Hülfe. Dieser brach mit6000 Reitern und 4000 Mann Fussvolk nach Konstantinopel auf, nahmJohann und dessen Sohn Manuel gefangen, warf sie in denselbenKerker, aus denen er den Andronikos befreite, und setzte Letzterenauf den byzantinischen Thron, indem er ihn zu seinem Lehns-Vasallenernannte. Es gelang jedoch bald Johann und Manuel aus dem Ge-fängniss zu entfliehen, und sie baten nun bei demselben Bajazid umHülfe, der sie in den Kerker gesteckt hatte. Dabei erklärte Johannsich zugleich bereit, eine bedeutende Geldsumme zu zahlen und jährlich12000 Mann griechischer Hülfstruppen zu stellen. Nun setzte Bajazidihn von Neuem auf den Thron und verlieh dem Andronikos den übri-gen Theil des Reiches ausser der Hauptstadt (1390). So verfügte Baja-zid schon ganz eigenmächtig über den griechischen Thron und hattedie griechischen Kaiser in seine Lehns-Vasallen verwandelt. Johannaber wurde für seine Verzagtheit hart bestraft, als Baj azid zum erstenMale ein griechisches Hülfsheer von ihm forderte, um die letzte griechi-sche Stadt Philadelphia zu erobern, durch welche Griechenland noch inKlein-Asien herrschte. Der griechische Befehlshaber in derselben wolltesich nicht ergeben, —und Bajazid befahl den griechischen TruppenJohann's, ihre griechische Stadt für ihn, Bajazid, zu erstürmen!Diese Thatsache beweist am besten den jammervollen Zustand des grie-chischen Kaiserthums zu dieser Zeit.
Nicht weniger eigenmächtig verfuhr Bajazid in den türkischenFürstenthümern in Klein-Asien. Den Fürsten von Aidin, Sarushan undMentesche nahm er ihre Besitzungen weg und bildete daraus eine neueStatthalterschaft, welche er seinem Sohne Ertogrul verlieh. Dann er-oberte er Teke und das noch unabhängige Kermian, zog gegen den ihmfeindlichen Fürsten Allah Eddin von Karaman, und belagerte dessenHauptstadt Konia. Dabei hielt er zugleich sein Heer in so straffer Disci-plin, dass, als Mangel an Lehensmitteln bei demselben ausbrach, die Be-lagerten selber ihm für gute Bezahlung davon ahliessen. Viele StädteKaraman's unterwarfen, dadurch verlockt, sich freiwillig, und Allah-Eddin selbst erkaufte durch Abtretung eines Theiles von seinem Fürsten-thum den Frieden und den Forthesitz seiner übrigen Städte und Lände-reien (1390).
Aus Klein-Asien kehrte Bajazid von Neuem nach Europa zurück,erneuerte die Befestigung von Gallipolis und Hess daselbst einen siche-ren Hafen für seine Flotte anlegen. Inzwischen verheerten seine Feld-herren die Inseln Chios und Euboea und einen Theil von Attika. In Kon-stantinopel hegann man zu dieser Zeit, — freilich zu spät, — sich mitWiederherstellung und Verstärkung von dessen Festungs-Werken zu
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