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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege der Türken. 741

Morgen. Die Meinung der Letzteren ging durch, weil bei der grossenAnzahl der Verbündeten der Sieg ihnen zweifellos sicher schien unddie Nacht nur die Flucht der Türken begünstigen würde. Nach demRathe fand bei Fürst Lazar ein Gastmahl statt, bei welchem Bran-kowitsch nicht abliess, Lazar mit Argwohn gegen Milosch zuerfüllen. Unter diesem Einflüsse sprach Lazar, indem er dem Mi-losch eine Schaale Weines reichte, Zweifel an dessen Treue aus. Da-durch gekränkt erwiderte Milosch, dass die That zeigen werde, werRecht habe, und verliess das Gastmahl.

Schlacht auf dem Kossowo-Felde (15. Juni 1389).

Am anderen Tage, 15. Juni, stellten beide Heere sich mit Tages-Anbruch auf dem Kossowo-Felde in folgender Weise zur Schlacht auf:

Die Verbündeten: Der rechte Flügel unter dem Befehl von La-zar's Schwiegervater Juga Bogdan Wratko, der linke unter BukBrankowitsch , das Centrum unter Lazar selbst.

Die Türken: Rechter Flügel unter dem in Kämpfen ergrautenEwrenoss-Beg, linker unter Murad's Sohn Jakub , die Mittesollte Murad selbst befehligen.

Noch bevor aber beide Heere den Kampf eröffneten drang MiloschObilitsch mit zwei ihm treuen Genossen uud verzweifelt tapferen Wa-gehälsen, JanKossantschitsch und Milan Toplitschanin, in dastürkische Lager ein, indem er sich für einen Deserteur ausgab, der demSultan ein sehr wichtiges Geheinmiss mitzutheilen habe. Er wurde indessen Zelt geführt und wollte ihm die Hand küssen, aber der Sultanreichte ihm den Fuss. Milosch beugte sich hinab und ergriff den Fussmit der linken Hand, fasste mit der rechten sein Messer, stiess es demSultan in die Brust, und war dann mit drei Sprüngen aus dem Zelte, umzu seinen Gefährten zu gelangen, aufs Pferd zu springen und fort zu ja-gen. Die Türken stürzten ihnen nach, machten Kossantschitsch undToplitschanin nieder, Milosch aber, der selbst mehrere Türkenniedergestreckt hatte, wurde schwer verwundet, gefangen genommen undgebunden vor den sterbenden Murad gebracht, welcher ihn sogleich zuenthaupten befahl.

Inzwischen hatte auf dem Kossowo-Felde schon ein blutiger Kampfbegonnen. Der linke Flügel der Türken stiess zuerst mit Ungestüm aufden rechten Flügel der Verbündeten, Wratko aber hielt den Stoss aufund stand unerschüttert. Brankowitsch aber, welcher den Miloschdes Verraths bezichtigt hatte, zeigte sich selbst als Verräther, indem erfeig und schimpflich in die Berge entfloh. Bajazid mit dem Centrumdes türkischen Heeres, an Stelle des gestorbenen Murad, warf sich mit

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 48