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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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740 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

sich von der Türkei los zu reissen. Der serbische Fürst Lazar ent-schloss sich auf den Rath des Krals (Königs) von Bosnien und RascienStephan Twartok, das Joch der Türken abzuschütteln. Zu diesemZwecke begab sich einer der kleineren Regenten in Bosnien scheinbarals Verräther zu Murad, erbot sich ihm zu helfen die Verschwörer un-versehens zu ergreifen, und führte die türkischen Truppen in den Hinter-halt der Serben, welche sie niedermachten. Darüber ergrimmt schworMurad Serbien zu erobern oder zu sterben und begann ein Heer zu-sammen zu ziehen. Lazar seinerseits proclamirte einen allgemeinenAufstand und Bewaffnung, und im Juni 1389 stiessen verbündete undHülfstruppen aus Bosnien, Herzegowina, Albanien, Bulgarien, Ungarnund Polen zu ihm. Leider war Lazar von Zwistigkeiten und Verrathumgeben. Mit seiner ältesten Tochter war Buk Brankowitsch ver-mählt, ein hochfahrender, ehrgeiziger und rachsüchtiger Mensch, mitder jüngeren Milosch Obilitsch, ein wahrer Held. Die beiden Frauen,jede ihren Gatten preisend und ihm den Vorrang zusprechend, beleidig-ten sich und beklagten sich dann bei ihren Männern. Milosch Obi-litsch erklärte dies für Unsinn, Buk Brankowitsch aber beschlossJenen zu verderben und begann ihn bei Lazar zu verleumden, indemer behauptete, derselbe sinne auf Verrath, um selbst Fürst von Serbienzu werden. Nach verschiedenen Zänkereien kam es zum Zweikampfzwischen Militsch und Brankowitsch, in welchem Ersterer denLetzteren aus dem Sattel hob, und obgleich Lazar sie aussöhnte, soschwor doch der beschimpfte Brankowitsch, dass er sich an Mi 1 oschrächen werde.

Inzwischen hatten beide Heere,die Verbündeten unter Lazar'sBefehl, die Türken unter Murad selbst sich zum 14. Juni 1389einander gegenüber auf demFelde vonKossowo (zu deutsch Amsel-feld, ungarisch: Rigomezeu) an der Süd-Grenze von Serbien undBosnien gelagert. Es war dies eine ausgedehnte Ebene, auf zwei Seitenvon Gebirgen begrenzt, in der Mitte von dem Fluss Sitniza durchschnitten.Am 14. Juni wurde in beiden Lagern Kriegsrath abgehalten. In dem derTürken schlugen viele Befehlshaber vor, die Front der Armee durchKameele zu schützen, damit durch deren Anblick die Pferde der feind-lichen Reiter in Schrecken und Verwirrung gerathen möchten. AberMurad's Sohn Bajazid wendete ein, dass diese unwürdige List an-wenden nur hiesse dem Schicksal misstrauen, das ja ersichtlich die tür-kischen Waffen schütze, und dass die Kameele selber sich durch diefeindliche Reiterei würden erschrecken lassen und dann das türkischeHeer in Verwirrung bringen könnten. Seiner Meinung trat auch derGross-Vezier bei. Im Rathe der Verbündeten wurde von Vielen vorge-schlagen, die Türken bei Nacht anzugreifen, Andere stimmten für den