730 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.
wurden versiegelt oder an die Juden verpachtet, welche sie zu ihrenGottesdiensten nicht anders, als für eine feste Taxe von fünf Thalernöffnen durften; Kindtaufen, Hochzeiten, Beerdigungen und andere Ce-remonien waren ebenfalls an die Juden verpachtet. Nun begann derAbfall vom rechten Glauben und von der russischen Volksgemeinschaftseitens vieler Bewohner Klein-Russlands, hauptsächlich aus der Ritter-schaft und der Schljachta oder der besitzenden Klasse, die aus ehrgei-ziger oder habsüchtiger Berechnung die Union und dann den katholischenGlauben und damit zugleich die polnische Nationalität angenommen hattenund demnächst fanatische Eiferer und katholische Polen geworden waren.
Was das klein-russische Heer anbelangt, so ward es bedeutend ge-schwächt. Die Regimenter der registrirten Kasaken, welche in demletzten Kriege grosse Verluste erlitten hatten, wurden nicht komplettirt,jede Beihülfe aus dem Skarb oder den Kurenjen wurde ihnen untersagt,sie blieben ohne Offiziere und Führer, an deren Stelle Saporoger Char-gen ohne Ordnung und Disziplin erschienen; in die Saporoger Ssjätschjhatten sich fast alle Ochotschekomonnye. besonders die Unverheira-theten, gezogen. Die Bewohner der an Bolen grenzenden Kurenjen wen-deten sich allmählich zu den polnischen Schljachtitschen und bildetendie Umgebung der Schljachta. Die Hetmanschtschina (Reich des Het-mans) stand am Rande des Verderbens .... •
Aber die Saporoschje rettete und erhielt sie. Die Saporoger wurdenvon den Polen in Ruhe gelassen und lagen im Kriege gegen den walachi-schenHospodaren Michael, halfen Sigismund, als er das moldaui-sche Fürstenthum dem aus der Moldau gebürtigen, aber Polen ergebenen,von Micha el vertriebenen Mogila verschaffte, nahmen an dem Kriegeder Polen gegen die Schweden in Livland Theil, und erhielten, da siefür Polen von Nutzen waren, von Sigismund die Bestätigung ihrerRechte.
Indessen blieb Klein-Russland nicht lange ohne einen aus der Mitte sei-ner Bevölkerung gewählten Führer. Obgleich einige Regimenter eingewil-ligt hatten, dem polnischenHetman zu gehorchen, so wählte doch der grössteTheil, im Einverständniss mit derSaporoshje imJahre 1598 zum Hetmaneinen Mann, nach des Chronisten Worten »von hohem Geiste, feurig, tapfer,schweigsam, Feind des Luxus, bisweilen grausam, rasend, unmässig insinnlichen Genüssen, — aber den Türken, Polen und Gross-Russenfurchtbar«. Das war der General-Obosny (vom Train) Peter Kona-schewitsch-Sagaidatschny"), mit welchem eine neue Periode imLeben des klein-russischen Volkes und Heeres beginnt.
*) Sagaidak, Saadak, — ein tatarisches Wort — bedeutet den Köcher fürPfeile.