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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege der Don- und Dnjepr-Kasaken. 71 5

er denselben, die Tataren auf den Märschen und in den Nachtlagernunaufhörlich anzufallen, sich aber gleich nach dem Angriff ungesäumtin der Richtung auf das Hauptheer zurückzuziehen; dies täuschte dieTataren, welche, die Angriffe der Kasaken-Corps für unbeabsichtigtehaltend, ihren Vormarsch sorglos fortsetzten und so ganz plötzlich aufOhmjälnitzki's Hauptlager vor Saslawl stiessen, das schon von einerWagenburg umgeben war. In demselben hatte Chmjälnitzki einenTheil des Fussvolkes nebst den schweren Geschützen zurückgelassen,sich selbst aber mit den Hauptkräften hinter den städtischen Hainen undBienenkörben versteckt. Kaum hatten die Tataren die Wagenburg um-ringt, ihr Geschrei erhoben und das Feuer eröffnet, so brach Chmjäl-nitzki plötzlich aus seinem Versteck gegen ihre Flanken und Rückenvor, und ging nach Abgabe von nur einer Salve aus Geschützen undGewehren gleich mit Lanze und Säbel gegen sie vor, die bestürzten Ta-taren zerstreuten sich, Chmjälnitzki aber entsendete ein besonderesCorps zu ihrer Verfolgung, nicht in zerstreuter Ordnung, sondern inKischei (Pelotons), d. h. in geschlossener Ordnung formirt. Er selbstmarschirte mit den Hauptkräften hinter der Mitte und trieb die tatari-schen Lastthiere mit den Vorräthen vor sich her. Seine Vorsicht erwiessich gerechtfertigt: die Tataren wendeten, ihrer Gewohnheit gemäss,sich bei der Flucht häufig zurück und griffen die sie verfolgenden Ka-saken an, fanden aber stets zu ihrer Abwehr eine starke batowaja mitKanonen bereit. Nachdem er sie auf diese Weise abgewehrt und ver-jagt hatte, kehrte Chmjälnitzki mit reicher Beute und Ruhm ge-krönt*) nach Saslawl zurück. Die Polen empfingen ihn überall im Tri-umphe, Sigismund aber schickte ihm ein Belobungs- und Dank-Schreiben, und das hatte er auch redlich verdient.

Inzwischen waren andrerseits die Operationen der klein-russischenHeere unter Führung des Kiewschen Wojewoden Andrej Nemiro-witsch (Schwagers von Daschkowitsch, und sein wie Lanzko-ronski's Gefährte) in dem Sjäverschen Fürstenthum während desKrieges von 1534 zwischen Polen und Russland bei weitem nicht so er-folgreich. Nemirowitsch belagerte Starodub, wurde aber abge-

*) Hier kann man nicht umhin, den Ungeheuern Unterschied zu bemerkenzwischen den Thaten der von Männern wie Lanzkoronski, Daschkowitsch,Wischnewezki, Roshinski, Chmjälnitzki (und deren Nachfolgern) befeh-ligten Kasaken und den russischen Land-Kriegs-Lehns-Aufgeboten unter Anführungrussischer Bojaren und Wojewoden gegen die Tataren. Die klar hervortretendeUeberlegenheit in dem Verhalten der Kasaken erklärkt sich daraus, dass diekleinrussischen Hetmans an Wissen und Kriegskunst weit höher standen, als dierussischen Bojaren und Wojewoden, was sich in den Kriegen selbst gegen die Ta-taren sehr fühlbar machte.