712 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
klein-russischen Hetman gewählt. Seine Hetmanschaft war für Klein-Russland eine friedliche und glückliche; jedoch führten auch unter ihmdie Krymzer einen Einfall in das Land aus. drangen durch die Grenz-wachen in das untere oder südliche Podolien (den Küstenstrich amDnjepr) ein, plünderten mehrere Ortschaften, trieben viel Vieh weg,kamen aber auf dem Rückwege fast alle durch Schneegestöber und Kältein den Steppen um. Bald danach legte Wischnewezki die Hetman-schaft nieder, und an seiner Statt wurde Eustaphji Roshinski ge-wählt. Auf seinen vorhergegangenen Reisen durch Deutschland undFrankreich hatte dieser eine' hohe Bildung, auch im Kriegswesen, er-langt, und als er nun Hetman wurde, reformirte er vor Allem das klein-russische Heer. Bis dahin hatte es aus Okolitschny (in den Um-gebungen aus einem Dorfe lebend) und Kureny (in Kasakendörfemaus mehreren Ortschaften lebend) bestanden: die alten Dienenden undAusgedienten nannten sich Towarischtschestwo (Genossenschaft),— die Jungen Kasaken. Ihre öffentliche und Kriegs-Verfassung gabAnlass zu vielen Missbräuchen, so u. A. auch bei der Bildung von frei-willigen Regimentern (Ochotschekomonnye), welche sichselbst ihre Aeltesten erwählten und dann in der Krym, Moldau und Tür-kei auf Raub und Plünderung umherstreiften. Um dem ein Ende zumachen, errichtete Roshinski 20 Regimenter ä 2000 Kasaken, undbenannte sie nach Städten (das erste und Haupt-Regiment war das vonKiew); die Regimenter wurden in Ssotnien getheilt, welche nach Städt-chen und Flecken genannt wurden, in jedem Regiment sollten der Oberstund die Ssotniki auf Lebenszeit durch die Towarischtchestwo und dieKasaken gewählt werden (von der Zeit an wurde in Klein-Russland auchder Erb-Adel eingeführt). Die Regimenter wurden angeworben und er-gänzt aus jungen in die Kriegs-Register eingeschriebenen Kasaken,woher sie auch Registrowye (Einregistrirte) Messen. Die eineHälfte derselben, zu Pferde, wurde immer unterhalten zum Dienste imFelde, die andere Hälfte, zu Fuss, bildete die Garnisonen der Städte,und im Fall der Noth half sie der ersteren Hälfte oder komplettirte sie.Bekleidung und Bewaffnung waren für Alle gleichmässig festgesetzt,und wurden im Frieden nach gegebenen Mustern auf eigene Kosten ange-fertigt. Die Kasaken hatten ihre eigene Verpflegung. Im Fall einesFeldzuges war jedem Kasaken pro Jahr ein Golddukaten Besoldung ausdem klein-russischen Skarb (Schatze) und alle zwei Jahre 1 Kaftan (Rock)und je nach Bedarf ein Koshuch (Schafpelz) gegeben; den Hundertern(Starschinen, Aeltesten) das Doppelte des gemeinen Kasaken; die Ober-sten und Generale (Starschiny Generalnye), vom Train und von den Re-gimentern hatten Rangowya Landgüter (nach Rang oder Charge).Artillerie, Fahrzeuge und Lastthiere wurden mitVorräthen, Proviant und