698 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Auf diese Weise lag Moskau, die Hauptstadt des moskauischeuStaates und der'Mittelpunkt seiner Staats- und militärischen Kräfte;Mittel, Hülfsquellen und Verwaltungen, nicht im Mittelpunkte desReiches, sondern in nächster Entfernung von den Grenzen Lithauens(bis Smolensk 400, bis Tschernigow 700 Werst), weniger nahe denGrenzen Livoniens, Estoniens (Esthlands) und Schwedens (bis Sebesh700, bis Pskow 700, bis Nowgorod 500, bis Orjäschek über 600 Werst),— weiter entfernt von den Nord- und Südgrenzen.(von Aschangelsküber 1200, von Tscherkassk am Don über 1000 Werst), und am alier-weitesten von der äussersten Ostgrenze jenseit des Ural (bis Tobolsküber 2300 Werst), — folglich im Allgemeinen 400 Werst von den lithaui-schen, 600—700 Werst von den schwedischen, und 1000—2300 vonseinen Nord-, Süd- und Ostgrenzen, wo es seine Hauptkräfte, Mittelund Hülfsquellen besass (besonders in den nordöstlichen und östlichenProvinzen). Es ist einleuchtend, dass diese Lage von Moskau ungünstigwar, sowohl bezüglich eines inneren wie eines'äusseren Krieges, —gegen Prätendenten und russische Rebellen, wie gegen Polen, Li-thauen, Dnjepr-, Saporoger-, und Don-Kasaken, und zum Schlussauch gegen die Schweden.
Die Kriegs-Organisation des moskauischen Staatesund Heeres ist nach allen Richtungen hin oben geschildert (Kapitel 21),wie sie sich allmählich historisch in den V/ 2 Jahrhunderten von Jo-hann III. an mit allen ihren guten und schwachen Seiten entwickelt hatte.Die schwachen überwogen, in Folge des 200 jährigen Mongolo-TatarischenJoches, der Entfremdung vom westlichen Europa, und dagegen dei' engenVerbindung mit dem asiatischen Osten und der Nachahmung, mit oderohne Absicht, vieler seiner militärischen Einrichtungen, Sitten und Ge-bräuche. Die allerschwächsten Seiten waren unstreitig der Kriegs-Lehnsdienst, die ganze unzureichende Kriegs-Organisationder Landes-Opoltschenien auf Zeit, trotz deren grosserAnzahl, und die nach Adels-Geschlechtern rangirende Ord-nung der Befehlshaberstellen. Das Alles hatte fast Nichts ge-mein mit der gleichzeitigen Heeres-Organisation der westeuropäischenStaaten und Heere, leider aber sehr viel mit der der asiatischen. DieCavallerie war die zahlreichste, geehrteste und Haupt-Waffen-Gattung,das Fussvolk weniger angesehen, weniger zahlreich und schlechterbewaffnet (ausgenommen etwa die Strelitzen). Die Artillerie war zahl-reich, sowohl die leichte — Feld-, wie die schwere — Festungs- undBelagerungs-Artillerie, aber schlecht geschult, ungeschickt in ihremVerhalten, und selten von wirklichem Nutzen (ausgenommen vielleichtbei Vertheidigung von Städten). Die Ingenieur-Parthie (Festungs- undBelagerungs-, über und unter der Erde, Wege- und Brücken) befand