630 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
sammelten sich die Bürger 1. Klasse, Bojaren-Kinder, fremde Kaufleuteuud Klosterdiener im Kreml, bewaffnet und zu Pferde, und riefenWassilji zum Zaren aus. Die gemeinen Leute aber, noch unter demEinfluss der Leibeigenen-Partei stehend, erhoben sich in der Zapskowje,dann auch in der grossen Stadt gegen sie, traten mit den in ihre Slobodajenseits der Welikaja verbannten Strelitzen in Verbindung, Hessen siein die Stadt ein, und gewannen die Oberhand über die andere Partei.Der Wojewode Fürst Sassjäkin und mit ihm 300 Bojaren-Kinder,Fremde, und Klosterdiener entflohen, die Einen nach Petschora, dieAndern nach Nowgorod, die in Pskow zurückbleibenden schlössen sichin ihren Häusern ein. Man liess sie in Ruhe, Pskow aber blieb einst-weilen noch dem Usurpator unterworfen.
In der Umgegend von Moskau hingegen gewann die zarische Parteivon Tag zu Tag entschieden an Umfang. Der Usurpator schicktePle schtsch ej ef mit 2000 donschen Kasaken und 2000 russischen Ver-räthern aus Kaluga nach Moshaisk, sich dieser Stadt zu bemächtigen,welche Moskau nach der Seite von Smolensk absperrte und sich in der Ge-walt der Tuschinocr Wojcwoden Wi 1 czek befand. Pleschtschejefmachte mit den Bussen in Borissowa-Gorodka Halt und schickte dieKasaken auf Moshaisk, dessen Bewohner sie vor der Nacht in die Vor-stadt einliesscn. Wilczek aber rief das sich in der Nähe befindendeCorps Mlozki's herbei, welches in der Nacht die Kasaken in der Vor-stadt überfiel, während Wilczek ihnen das Entkommen auf der Strasseabschnitt, viele tödtete und gefangen nahm. Der zu ihrer Befreiunganrückende Ple seh ts che j ef wurde gleichfalls geschlagen (nach An-gabe der Polen blieben an 2000 Kasaken und Russen auf der Wahlstattvor Moshaisk). Nun überlegte Wilczek, dass es am vortheilhaftestenfür ihn sei, wenn er Moshaisk weder dem Könige noch dem Prätendenten,sondern Wassilji überliefere, und erbat sich von ihm Truppen zur Be-setzung dieser Stadt. Wassilji sendete auch sogleich Ismailow miteinem starken Corps zu ihm. Wilczek hatte hinterlistiger Weise auchdie Corps von M lozki bei Moshaisk und Kasanowski's in Wjasmaavertirt, aber Ismailow kam ihnen zuvor und besetzte Moshaisk,Wilczek aber ging nach Moskau und empfing zur Belohnung vonWassilji 100 Rubel (333 heutige Silber-Rubel).
Im Tuschinoer Lager aber nahmen Zerwürfnisse, Meutereien undUngehorsam täglich zu. Die Flucht Marina's diente hauptsächlich zumAnlass zu offener und schrecklicher Empörung. Ihre Anhänger reizten dieSholnery auf zu ihren Gunsten und gegen Ro szinski, den sie fast todt-geschlagenhätten; sie wollten an seinerStelle Tyschkewitsch zumHct-man wählen und nach Kaluga gehen, und Hessen sich kaum durch dasVersprechen der Offiziere beschwichtigen, dass der König binnen Kurzem