Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 629
aufnehmen zu können, denen unzweifelhaft der Untergang drohte, —und die Folgen davon waren wahrlich wichtig genug.
Einige Tage später kehrten Sapieha's Fourageurs zurück, undnun eilte er, da kein Grund mehr vorlag in Dmitrow zu bleiben, sichauf das Joseph-Wolokolamski-Kloster zurückzuziehen, steckte abervor dem Abzüge noch Dmitrow in Brand und zerstörte von seinen Ge-schützen, was er nicht mitnehmen konnte. Das hatte also die über-mässige Behutsamkeit, Langsamkeit und Unentschlossenheit der Opera-tionen Skopin's nach Eintreffen der letzten Verstärkungen aus Schwe-den bei ihm zum Resultate gehabt. Wenn es bis dahin noch möglichgewesen war ein solches Verfahren einigermaassen zu rechtfertigen, sowar das jetzt sehr schwer. Durch kühne, schnelle und entscheidendeOperationen gegen das Troizko-Kloster, von da auf Dmitrow und gegenMoskau konnte Skopin noch Ende Januar Sapieha aufs Hauptschlagen, ihn nach Norden auf Chowanski (s. oben) zurückwerfen,welcher dann seine Vernichtung vollendet haben würde, dann rasch aufMoskau rückend von da mit dem geringen Heere gemeinsam das TuschinoerLager zerstören, und das darin noch zurückgebliebene Gesindel vonPolen, Kasaken und aufrührerischen Russen zerstreuen. Aber die zurunrechten Zeit, am unrechten Orte und den Umständen unangemessene,von Skopin auf Delagardie's Empfehlung angenommene methodischeArt der Kriegführung, wie sie Prinz Moritz in den Niederlanden an-gewendet hatte, führte nicht zu so schnellen und glänzenden Resultatenund hatte die Befreiung von Moskau um 1 y 2 Monat verzögert. Man kannweder Skopin noch Delagardie eine Schuld beimessen: der Ersterehatte keine Erfahrung in der westeuropäischen Kunst der Kriegführung,der Andere stand noch zu sehr unter dem Einflüsse seines ehemaligenLehrers in dieser Kunst, des Prinzen Moritz und seines Methodismus,der in den Niederlanden sehr am Platz gewesen, dagegen in Russlandin den Jahren 1609 und 10 ganz unangebracht war.
Uebrigens hatten ohnehin Sapieha und das Tuschinoer Lager ihreletzten Tage erlebt. Die Schneeschuhläufer verfolgten den Ersterenund nahmen ihm 12 Kanonen ab; Sapieha wollte im Joseph-Klosterdie Befehle Sigismund's abwarten, die Schljachta aber empörte sichund schickte Abgesandte an den Prätendenten nach Kaluga mit dem An-erbieten, von Neuem in seinen Dienst zu treten, er solle ihnen sofort denSold für ein Tertial (4 Monate) auszahlen, die folgenden Tertiale aberstets in baarem Gelde zahlen und auf alle Fälle Streitigkeiten mit demKönige vermeiden. Sapieha aber, sein Corps im Joseph-Klosterzurücklassend, begab sich persönlich zum Könige vor Smolensk.
Die Misserfolge der Polen und des Usurpators hatten auch in Pskowihren Widerhall gefunden. Als sie dort zur Kenntniss kamen, ver-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte U. 2. 41