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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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626 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Dafür hatte die andere Expedition zum Troizko-Kloster besserenErfolg. Der von Skopin mit 500 Ratniki entsendete Walujew ge-langte unaufgehalten in der Nacht vom 4. zum 5. Januar in das Klosterund führte bei Tagesgrauen mit Sh erebzo w und den Kloster-Beschützerneinen heftigen Ausfall aus. Sie warfen die polnischen Schlagbäume inSapieha's Lager um, und lieferten Letzterem, der mit allen seinenTruppen gegen sie ausrückte, ein heisses Gefecht auf dem Wolkuscha-Berge, beim Kelarjewschen Teiche, auf dem Klementjewschen Feldeund auf dem Krassnaja-Berge, mit einem Worte auf dem ganzen Baumeim Westen und Süden des Klosters. Trotz der überlegenen ZahlSapieha's wurden sie nirgends geschlagen, sondern kehrten mit ver-hältnissmässig geringerem Verluste, als Sapieha erlitten hatte, insKloster zurück. Dann aber trat Walujew, die Ohnmacht der Belagerererkennend und ein längeres Verweilen im Kloster nicht erforderlich hal-tend, am 6. Januar den Bückweg nach Alexandrowska-Sloboda an.

Die Folgen dieses Vorganges waren äusserst wichtig. Sapieha,der nur noch 4000 Bolen bei sich hatte und Walujew's Unternehmungfür den Vorboten des bevorstehenden Anmarsches von Skopin hielt,auch nicht hoffen konnte mit seinen schwachen Kräften die Einschlies-sung des Klosters aufrecht zu halten und gleichzeitig sich Skopin'szu erwehren, sah ein, dass es thöricht sei noch länger auf einem Unter-nehmen zu beharren, welches nur noch Gefahren böte, ohne irgendwelcheAussicht auf Gelingen. Und so schwer es auch seinem Hochmuthe wurdeabzuziehen, ohne das Kloster weggenommen zu haben, so gewannschliesslich doch der Verstand die Oberhand, — und am 12. Januar hobSapieha die Belagerung auf und zog nach Dmitrow ab.

So sah die Troizko-Sergjejew-Lawra nach heroischer Vertheidi-gung, welche 1 Jahr und 110 Tage gedauert hatte, sich endlich von derBelagerung durch die Bolen und sonstigen Parteigänger des Prätendentenunter dem Befehl Sapieha's und Lissowski's befreit. Diese Verthei-digung, eine der merkwürdigsten aus der allgemeinen und auch speziellder russischen Kriegs-Geschichte, blieb für Jahrhunderte im Gedächt-niss des russischen Volkes unvergesslich, in einer Linie mit der Kuli-kowoer Schlacht, der Belagerung und Einnahme von Kasan, und dernicht minder heroischen Vertheidigung von Pskow, ein leuchtender underfreulicher Gedenkstein der Glaubens-Treue und Liebe zum Vaterlandeinmitten der finsteren Erscheinungen schimpflichster Verrätherei undUntreue.

Nicht sogleich wollten die wackeren Vertheidiger der Lawra") an

*) Von den 300 Klosterbrüdern, welche bei Beginn der Belagerung vorhandenwaren, waren nur noch sechs am Leben, darunter der Archimandrit Joassaph.Von Letzterem waren so viele Kornvorräthe beschafft worden, dass nach Aufhebung