624 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
befahl alle Geschütze aus den Verschanzungen zu ziehen, aus Besorgnissdass die Ueberschwemmung des Dnjepr sie fortspülen könnte. Uebrigensbildete die Belagerung von Smolensk schon nicht mehr die ausschliess-liche Sorge Sigismund's. Mehr noch beschäftigten ihn die geheimenIntriguen, durch welche die Russen zur Anerkennung seines SohnesWladislaw als Zar bewogen werden sollten. Niemand von ihnenwagte sich recht daran, aber die Polen fanden die ersten Verräther aus,— die Fürsten Leo Schachowskoi und Chripunow, welche derPrätendent zum Range der Wojewoden von Rshew-Wladimirski erhobenhatte. Diese selber, und durch ihren Einfluss alle Bewohner dieser Stadtleisteten zuerst Wladislaw den Eid. Dann aber folgten ihremBeispiele auch die Bewohner von Subzow, verleitet durch den "Wojewo-den des Usurpators Fürsten Tscherkasski. Das war ein wichtiges Er-eigniss: in den Unterhandlungen mit den zu ihm gekommenen Gesandtender Tuschinoer Polen und Russen wies Sigismund schon direkt auf dieBerufung Wladislaw' s auf den russischen Thron hin. Diese Gesandtenwurden im Lager von Smolensk am 10. Januar 1610 feierlich von ihmempfangen, wo die Russischen ihm ihre Bereitwilligkeit aussprachen, diePolnischen aber baten die Tuschinoer Polen nach dem Maasse ihrer Mühenund Verdienste zu belohnen. Danach setzten sich die Unterhandlungenzwischen den Gesandten und den königlichen Senatoren fort, wobei dierussischen Delegirten besondem Nachdruck auf die Unantastbarkeit desgriechischen Glaubens und seiner Ceremonien legten. Sigismund undseine Senatoren gaben formelle Versprechungen darüber ab, hintergingenaber die Gesandten in beispielloser Arglist, nur um sie zur Anerken-nung Wladislaw's zu bewegen, — das Hauptziel der BestrebungenSigismund's. Ausserdem versprach dieser und seine Senatoren Vielesin Bezug auf die innere Organisation Russlands und dessen Verhältnisszu Polen. Das Alles aber geschah nur deshalb, um die Russen zu Sigis-mund zu locken und ihm gehorsam zu machen vor dem Eintreffen vonWladislaw. Noch am 4. Februar gab Sigismund den russischenDeputirten ein Schreiben, welches alle Versprechungen und Bedingungenin Bezug auf den Glauben, die innere Verfassung und die BeziehungenRusslands zu Polen enthielt, — und die russischen Delegirten, Verrätherihres Vaterlandes, schworen Wladislaw den Eid. Schon am 2. Märzaber benachrichtigte Sigismund die Senatoren in Polen durch einSchreiben davon, dass er Aussicht habe ganz Russland Polen zu unter-werfen, und er die direkte Pflicht bei der Einsetzung Wladislaw' s aufden russischen Thron mitzuwirken, von sich ablehne.
Die Delegirten der Tuschinoer Polen waren weniger nachgiebig, alsihre russischen Gefährten. Auf alle ihre Forderungen einer Geld-Ent-schädigung für ihre Mühen und Dienste, antwortete man ihnen mit frei-