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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Benierkenswertkeste Kriege und Feldzüge. 621

aber die Truppen der Gesandten Hessen das nicht zu. Die Sholneryversammelten sich zum Kolo, lärmten, stritten sich, tobten, aberfasstenkeinen Entschluss. Am folgenden Morgen versammelten sie sich vonNeuem, urtheilten aber schon ruhiger, und versprachen binnen zweiTagen den Gesandten eine angenehme Antwort zu geben. Die Ge-sandten beschäftigten sich während dessen damit, die Tuschinoerrussischen Verräther auf ihre Seite zu bringen. Die Vornehmsten vondiesen erkannten an, dass ihnen Nichts übrig blieb, als sich entwederWassilji oder Sigismund zu unterwerfen. Von Ersterem aberkonnten sie höchstens Begnadigung erwarten, von Letzterem dagegenvielleicht freigebige Belohnung, — die Wahl konnte bei diesen niedrigenSeelen nicht zweifelhaft sein. Vor Allem gelang es den Gesandten, diebeiden Haupt-Kebellen Saltykow und Gramotin auf ihre Seite zubringen, und diese bewogen dann auch die Andern, Zaruzki, denKassimower Zaren u. s. w. Dann endlich brachten die Gesandten auchdie Tuschinoer Polen herum, und diese wie die Tuschinoer Bussenwilligten ein, Gesandte von sich an Sigismund vor Smolensk abzu-fertigen.

Was Wassilji und die moskauischen Bojaren anbelangt, so ver-mochten Sigismund's Gesandte nicht seine Befehle in Bezug aufdiese auszuführen. Wassilji beantwortete sein Schreiben gar nichtund wollte in keine Beziehung zu seinen Gesandten treten, und auchdie moskauischen Bojaren gingen auf die heimlichen Anträge der Ge-sandten, von Wassilji abzufallen und sich dem Schutze Sigismund'sanzuvertrauen, nicht ein.

Dagegen knüpften die Gesandten aus eigenem Antrieb und ohneAuftrag von Sigismund mit Marina Verbindungen an und trugen ihrdas Sapozker Land und die Einkünfte der Samborsker Oeconomie an,damit sie allen Ansprüchen auf den moskauischen Thron entsagen sollte.Die stolze Marina aber, welche berauscht von maassloser Herrschsuchtsich die rechtmässige moskauische Zariza nannte, verwarf un-willig alle Anträge der Gesandten und erklärte ihnen wie auch Sigis-mund selber, dass sie nie aufhören werde, ihre Erbschaft zu fordern.

Nach alle dem kehrten die Gesandten aus Tuschino vor Smolenskzurück und meldeten Sigismund die Resultate ihrer Sendung; die siebegleitenden Truppen wurden von ihnen in Wjasma unter Befehl vonKasanowski gelassen (dies Alles von der Flucht des Prätendenten angeschah schon im Januar und Februar 1610, nach heutiger Zeitrechnung).