620 HL Von Einfiihruug der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
»Herrscher« (Gossudar) beehrten, in Wirklichkeit aber nicht anerkann-ten, sondern verachteten und sogar beschimpften. Aus Furcht, dass sieihn an den König ausliefern möchten, entschloss er sich unter dem Vor-wande eines Spazierganges, das Tuschinoer Lager zu verlassen. Aberdie Polen Hessen ihn nicht hinaus; die russischen Anhänger desselbenfanden indess ein Mittel ihn aus dem Lager zu führen unter Be-gleitung von 400 donschen Kasaken und 400 russischen Reitern. Ros-zinski aber setzte ihm nach und führte ihn ins Lager zurück, wo erunter strenge Bewachung gestellt wurde.
Misshelligkeiten und Zwistigkeiten zwischen seinen Genossen warenjedoch nicht im Tuschinoer Lager allein, sondern auch ausserhalb ent-standen. So waren Wershbizki und Weleglowski, die mit pol-nischen im Dienste des Usurpators stehenden Abtheilungen Dorogobush(der Erstere) und Wjasma (Letzterer) eingenommen hatten, mit den Sa-porogern im Streit, wollten sich, deren Beispiele folgend, nicht deinKönige unterwerfen, und kehrten nach Räumung der eingenommenenStädte mit ihren Abtheilungen in das Tuschinoer Lager zurück. Sigis-mund aber Hess unverweilt Dorogobush durch seine Truppen besetzen.
Die Unterhandlungen zwischen den delegirten polnischen Gehülfenund den königlichen Gesandten, welche am 17. Dezember begonnenhatten, führten, in Folge der maasslosen unverständigen Forderungender Gehülfen, denen die Gesandten vernünftiger "Weise gar nichtbeistimmen konnten, zu keinem Einverständniss. Die Unterhandlungenwurden aufgeschoben und während dessen vermehrten die Gesandtendurch heimliche Ränke täglich die Zahl der Anhänger des Königs, undin demselben Maasse verminderte sich der Anhang des Prätendenten.Sogar Zborowski, und endlich auch Roszinski traten auf die Seitedes Königs, und durch ihren Einfluss wurde die gesammte polnischeRitterschaft allmählich immer nachgiebiger.
Der Usurpator, den man zu den Verhandlungen gar nicht zuliess,verfolgte sie indessen mit grosser Besorgniss und entschloss sich endlicham 27. Dezember Roszinski zu fragen, worin die Vorschläge der Ge-sandten beständen. Roszinski, der betrunken war, antwortete ihm inso grober Weise, sogar unter Androhung von Prügeln, dass der ge-ängstete Prätendent noch am selben Tage Abends, als man die Retraiteblies, als Bauer verkleidet, auf einem Mistschlitten das Lager verliessund sich nach Kaluga begab.
Als man am andern Tage erfuhr, dass der Prätendent entflohen sei,gerieth das ganze Tuschinoer Lager in ungeheuren Aufruhr. Pferde-knechte und Handwerker plünderten sofort die gesammte Habe desUsurpators und versuchten sogar die Wagen der Gesandten zu plündern,in dem Glauben, dass sie darin grosse Summen Geldes finden würden,