Bemerkeuswertheste Kriege und Feldzüge. 611
Entsendung eines Theiles von seinem Heere zum Entsatz von Smolenskschwächen mochte, so schickte er 30 Bojaren-Kinder aus, um die Bauernder um Smolensk liegenden benachbarten Dörfer gegen die Belagereraufzureizen. Diese Bauern hatten, um den Plünderungen durch die Polenzu entgehen, sich in die Wälder zerstreut und es gelang den ausge-schickten Bojaren-Kindern ca. 3000 derselben zu versammeln, welche,aus den Waldungen die polnischen Fourageurs überfallend, sie nieder-machten und dadurch dem polnischen Heere die Beschaffung der Ver-pflegung erschwerten.
Während dessen hörten die Batterieen Waiger's und Dorogo-staisski's nicht auf gegen die Stadt zu feuern, und am 26. Oktobergelang es Waiger den oberen Theil des kleinen viereckigen Thurmesneben den Bogoslowschen zu zerstören. Die Saporoger drangen in derNacht vom 30. bis zum 31. mit Aexten zu den gegenüberliegenden Thorenvor, wurden aber von heftigem Feuer empfangen und mussten unver-richteter Dinge wieder umkehren.
Schon waren 37 Tage seit Eröffnung der Belagerung verflossen, undder Erfolg war sehr gering; Sigismund gewann allmählich die Ueber-zeugung, dass er Bussland nicht so leicht überwinden werde, wie er ge-glaubt hatte, und dass er besonders auf eine Vermehrung seiner KräfteBedacht nehmen müsse. Ein neues Heer aus Polen heran zu ziehen, warunmöglich, wegen Mangel an Zeit und Geld, aber in Russland selbststanden viele polnische Truppen im Dienste des Prätendenten, und diesekonnte man zum eigenen Nutzen verwenden. Obgleich es nicht wahr-scheinlich war, dass diese, aus Schljachta bestehend, wagen würden,dem Willen des Königs nicht zu gehorchen, so war doch — bei ihrerEigenmächtigkeit — immerhin auf Widerstreben bei ihnen zu rechnen.Deshalb beschloss Sigismund, eine ganze Gesandtschaft aus fünf an-gesehenen Männern: Stadnizki, Zbarashski, Tyschkewicz.Domorazki und Kasanowskiin das Lager vor Moskau zu schicken.Jeder von diesen hatte seine Rotte (Compagnie) bei sich, und ausserdemgab man ihnen noch einige Truppen mit, sodass sie im Ganzen etwa 800Mann Reiterei und 1200 Mann Fussvolk nebst zwei Kanonen mit sichführten. Den Gesandten wurde ein offener Auftrag und eine geheimeInstruction mitgegeben. In dem ersteren war der Befehl enthalten, dieGründe und Ursachen für das Eindringen des Königs in die russischenGrenzen während des Waffenstillstandes anzugeben und dann die Polenim Dienste des Prätendenten zu bewegen, zum Wohle des Vaterlandeseinen für beide Theile günstigen Vertrag abzuschliessen. Die geheimeInstruction gab ihnen auf, den Polen und besonders deren OffizierenAlles das vorzuhalten, was sie bewegen könnte, in den Dienst des Königsüberzutreten, ihnen Entschädigung für ihre Mühen und Verluste, und den