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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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610 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

willigten ein, und die Polen, welche daraus auf ihre Geneigtheit zurUebergabe schlössen, stellten das Bombardement ein. Am 5. Oktobererschien Welishanin vor der Stadtmauer, forderte die Belagerten aufdie Stadt zu übergeben, und wiederholte die früheren Versprechungendes Königs, Die Belagerten dankten für das Wohlwollen des Königs fürdie Stadt, aber sie hegten Besorgnisse wegen der bekannten Zügellosig-keit der Polen , versprachen übrigens die Sache den Wojewoden vorzu-legen und am andern Tage die Antwort zu geben. Diese Antwort amnächsten Tage aber lautete dahin, dass sie den Eid gegen Zar Was -silj i nicht brechen, sondern ihre Pflicht thun und sich mit allen Kräftenschützen würden.

Ihre zur Schau getragene Bereitwilligkeit zu Unterhandlungen warnur eine Kriegslist gewesen, um ihnen eine zweitägige sehr erspriess-liche Ruhe zu gewinnen. Der erzürnte Sigismund befahl Waigervon Neuem mit Belagerungs-Arbeiten gegen den Bogoslower Thurmvorzugehen. In der Nacht vom 6. zum 7. Oktober führte Waiger seineVerschanzungen näher an die Stadt, errichtete eine Batterie von vier Be-lagerungs-Geschützen darin und eröffnete am Morgen aus ihnen dasFeuer gegen den Bogoslowschen Thurm. Am folgenden Tage unterhielter wie Doragostaisski ein ununterbrochenes Feuer aus ihren Batte-rien, und Waiger trieb ausserdem in der Nacht einen Laufgraben gegendie Mauer vor, der in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober bis auf 30Schritt an die Mauer herangeführt wurde.

Aber die Belagerten und besonders Schein Hessen den Muth nichtsinken und blieben standhaft in der Vertheidigung. S chein verliess dieMauern fast gar nicht, war höchst thätig sowohl in militärischen Anord-nungen wie in der Verwaltung der Stadt, wie auch in der Controlle dar-über, dass in derselben nicht der leiseste Gedanke einer Uebergabe auf-kommen konnte, und in der Anfeuerung Aller und jedes Einzelnen zurErfüllung dessen, was Eid und Pflicht und Ehre geboten. Von ihm auf-gemuntert, machten die Belagerten häufige Ausfälle, bisweilen mit be-merkenswertber Kühnheit.

So z. B. setzten am 15. Oktober bei Tage sechs Smoljane im Kahnüber den Dnjepr, drangen in Doragostaisski's Verschanzung, er-griffen das wehende Banner des Sandezker Starosten Lj ubomirski undentführten es in die Stadt, obgleich in der Schanze 72 Haiducken aufWache waren (der König Hess sie wegen ihrer Nachlässigkeit vor einKriegsgericht stellen, welches den sie befehligenden Lieutenant zumTode verurtheilte, die Haiducken aber beim ersten Sturm in die vorder-sten Reihen zu stellen anordnete).

Obgleich die Belagerten von nirgends her Hülfe erwarten konnten,so Hess doch Skopin sie keineswegs ohne solche. Da er sich nicht durch