Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
609
Einzelbild herunterladen
 

Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 609

auch Minen dazu nicht helfen würden, denn man hahe von einem Ueber-läufer erfahren, dass die Belagerten rund um die Mauern unterirdischeGänge. (Gallerieen) angelegt hätten, — dass daher mit dem gesammtenHeere vor Smolensk stehen bleiben nur unnütze Zeit-Vergeudung scheine,und dass es besser sei, zur Einschliessung von Smolensk drei Corpsan geeigneten Punkten hinter starken Verschanzungen zurück zu lassen,mit den Hauptkräften aber auf Moskau zu rücken, wo, eingegangenenNachrichten zufolge, man hoffen konnte viele Anhänger zu finden.Sigismund neigte sich dieser Ansicht zu, hauptsächlich deshalb, weildas Unternehmen gegen Smolensk dadurch nicht aufgehoben, sondernnur in der Ausführung abgeändert wurde. Aber Sholkjäwski's denKönig umgebenden Neider riethen diesem von Ausführung der Rath-schläge des Hetmans ab, — und der König befahl die Stadt zu be-schiessen und Minen anzulegen.

Demgemäss stellte in derNachtvom 28. zum 29. November "Waig erSchanzkörbe und dahinter eine Batterie von Belagerungs - Geschützenauf, hinter dem Flüsschen Tschurila nahe dem Dnjepr; zur Bedeckungwurden 600 Mann polnischen und zwei Rotten deutschen Fussvolksdetachirt, später auch noch 200 Mann ungarischen Fussvolks. In der-selben Nacht erbaute auch Dorogostaisski, welcher 600 Mann In-fanterie und 6 Geschütze bei sich hatte, Schanzen auf dem rechtenDnjepr-Ufer in dem verbrannten Possad.

Am 29. September eröffneten beide Batterieen ihr Feuer, dieDorogostaisski's auf die Stadt-Gebäude am Hange zum Dnjepr, indenen sie grosse Verwüstungen anrichteten, — die Waiger's gegenden Bogoslower Thurm, dessen untere Scharten sie bald demontirten.Darauf aber beschränkte sich auch ihr ganzer Erfolg; zwei Belagerungs-Geschütze bekamen Risse, so dass man nicht mehr aus ihnen schiessenkonnte; die Belagerten aber begannen den Thurm mit Erde anzuschüttenund erbauten hinter ihm eine neue Schanze. Die Polen gaben dieHoffnung auf ihn noch mehr zuzerstören ; stellten dasFeuer aus Waiger'sBatterie ein und zogen in der Nacht vom 30. September auf den 1. Ok-tober die Belagerungs-Geschütze aus der Batterie in das Lager zurück.

Dafür aber zündete Dorogostaisski in der Nacht vom 2. zum3. Oktober die Dnjepr-Brücke gegenüber dem Frolowschen Thore an,zog seine Verschanzungs - Linien näher an Fluss und Stadt heran, er-baute darin eine Mörser-Batterie und begann aus dieser in der folgendenNacht Bomben in die Stadt zu werfen.

Am 14. Oktober stellte der Kanzler Sapieha, in der Annahme,dass das Bombardement die Belagerten bereits erschüttert habe, an siedas Ansinnen, den Lithauer Bogdan Welishanin (aus der StadtWelish) mit einem Auftrage vom Könige anzunehmen. Die Belagerten