Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
608
Einzelbild herunterladen
 

608 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Die Belagerten rüsteten zwar ihre Hauptkräfte auf Abwehr des Schein-angriffes von der Seite Nowodworski's, aber in Folge der von Scheingetroffenen oben erwähnten Anordnung waren auch die andern Punkteder Enceintc nicht von Vertheidigern entblösst. Waiger wurde über-haupt nicht bis zum Kopytezker Thore herangelassen, Nowodworskiaber drang anfänglich in den engen Durchgang zwischen dem Abraham-j ewschen Thore und der da vorliegenden Schlucht, schlug das Thor ein,fand dahinter aber andere Barrieren, welche gleichfalls eingeschlagenwerden mussten. Als, nachdem dies vollbracht, seine Leute nun in dieStadt eindrangen, fand sich bei Nowodworski kein Trompeter (siewaren geflohen), um den zurückstehenden Truppen das verabredeteZeichen zum Sturme zu geben. Die nächste ungarische Infanterie rücktenicht dahin, aufgehalten von ihrem furchtsamen Capitain, die dahinterbefindliche Beiterei zog sich sogar zurück. So von Niemandem unter-stützt, war Nowodworski gezwungen zurück zu gehen, — ohne Er-folg. Ueberhaupt hatte dieser nächtliche Sturm dem deutschen undungarischen Fussvolk nur zehnTodte und siebenzig Verwundete gekostet.

In der folgenden Nacht, 25. zum 26. September wetzte das deutscheFussvolk diese Scharte dadurch wieder aus, dass es vier Stunden vorSonnenaufgang die Schanze des Pjatnitzkoje-Vorortes angriff, die Ver-theidiger hinaus warf, den ganzen Vorort anzündete, mit Ausnahme vonsieben Kirchen, — und sich in demselben einnistete.

In der dann folgenden Nacht vom 26. zum 27. September drangenzwei Stunden vor Tagesanbruch die Belagerer aus der eingeäschertenVorstadt zum Sturm gegen das Pjatnitzker und Frolowsche Thor vor,wurden aber von beiden Stellen mit Verlust zurückgeworfen.

Im Laufe des 27. September erschien der Saporoger AtamanOlewczenko beim Heere des Königs mit einigen Tausend Kasaken.Dadurch war die Möglichkeit gegeben, Smolensk von allen Seiten einzu-schliessen. Die Kasaken stellten sich mit dem Hussaren-BegimenteWaiger's bei dem heiligen Geist-Kloster auf, am linken Dnjepr-Ufer,östlich der Stadt. Auf der Südseite beobachtete eine starke Wache dieWege nach Boslawl und Jelen, und unterhielt durch ihre Patrouillen dieVerbindung zwischen dem Heere und den Kasaken. Auf das rechteDnjepr-Ufer aber wurde Potozki mit 2000 Beitern entsendet, dessenVerbindung mit dem Hauptheere durch eine Brücke hergestellt war,welche am Troizki-Kloster über den Dnjepr führte.

Nachdem die Belagerten in dieser Weise eingeschlossen waren undSigismund schon einen Misserfolg bei dem ersten Sturm-Versuche er-fahren hatte, beschloss er Minen und Bombardement an zu wenden.S h o 1 k j ä w s k i stellte ihm abermals vor, dass beim Heere keine Kanonenvon grossem Kaliber seien, um Bresche in die Mauer zu legen, und dass