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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 607

geschaffen. Ueberhaupt ähnelten die Situation von Smolensk sowohl wiedie Maassregeln zur Vertheidigung sehr dem, was beim Troizko-Klosterzu Anfang der Belagerung desselben geschildert wurde, mit dem Unter-schiede jedoch, dass letzteres nur eine kleine Festung war im Vergleichzu dem grossen und stark befestigten Smolensk.

Indessen hatte Sholkjäwski nach Recognoscirung von Smolenskauf Befehl des Königs einen Kriegsrath einberufen. In diesem wollteman besonders die Meinung der deutschen Obersten kennen lernen, dieman mehr als die Andern im Belagerungswesen bewandert erachtete.Es wurde aber nichts Definitives vorgeschlagen. und so wenig zuverläs-sige oder schwer ausführbare Mittel angegeben, dass Sholkjäwski denRath ohne irgendwelche Beschlussfassung aufhob, und nur zur Ermuthi-gung der Truppen gab er demselben die Versicherung, dass Alles schnellund erfolgreich enden werde. Dem Könige aber trug er unter vier Augenvor, dass die herbeigeführte Artillerie nicht ausreiche, um die festenMauern von Smolensk zu zerstören, dass Minen und Petarden nur einemnachlässigen Vertheidiger gegenüber vortheilhaft anzuwenden seien, hieraber die Vertheidigung sich schon von Anfang an sehr vorsichtig undwachsam erwiesen habe, weshalb aber auch keine Hoffnung auf baldigeUnterwerfung der Stadt vorhanden sei und es vortheilhafter scheine,nicht bei der Belagerung zu verharren, sondern sich andern Unterneh-mungen zuzuwenden. Aber der hochmüthige und grosssprecherischeSigismund wollte die weisen Rathschläge des intelligenten, kennt-nissreichen und erfahrenen Sholkjäwski nicht hören, bestand vielmehrauf seiner Absicht, um jeden Preis Smolensk zu bezwingen, und befahlgegen die Thore vorzugehen und sie einzuschlagen.

In Folge dessen rückte in der Nacht vom 24. zum 25. September dasHeer aus dem Lager, die polnische Infanterie blieb davor stehen, demPjatnitzkoje-Vorort gegenüber; Waiger mit dem deutschen Fussvolkewendete sich gegen das Kopytezker Thor; ein Malteser-Ritter Nowod-worski mit dem ungarischen Fussvolk gegen das AbrahamjewscheThor, die Reiterei folgte in weiter Entfernung, um sie zu unterstützen.1 1 / 2 Stunde vor Tages-Anbruch (2 l / 2 Uhr Morgens) erbaute der lithauischeMarschall Dorogostaisski vor dem polnischen Fussvolk Batterieenfür die Feldgeschütze und eröffnete aus ihnen das Feuer gegen denBogoslowschen Thurm, und aus Mörsern liess er Bomben in das Innereder Stadt werfen. Diese Kanonade hatte zum Zweck, die Aufmerksam-keit der Belagerer auf den Theil der Stadt-Enceintc zu richten, wo nurder Scheinangriff erfolgen sollte, und dadurch den wirklichen AngriffWaiger's und Nowodworski's von zwei entgegengesetzten Seitenzu erleichtern, wo sie die ihnen bezeichneten Thore einschlagen und indie Stadt eindringen sollten. Doch wurde diese Absicht nicht erreicht: