Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
606
Einzelbild herunterladen
 

606 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

welcher dann seine Verbindungen mit Polen gerade hinter sich hatte,durch Besetzung dieses Vorortes die Vertheidigung des bedrohten dorti-gen Theiles der Stadtmauer verstärken und nach Möglichkeit dem Mangelvon Aussenwerken abhelfen wollte. Wenn er aber für möglich hielt,diesen Vorort zu bewahren, zu befestigen und zu besetzen, so hätte er,scheint es, dasselbe wohl auch in Bezug auf die übrigen Vororte und diegrosse Possad thun können, welche, wenn sie durch Schanzen gedecktwurden, die fehlenden Aussenwerke ersetzt haben würden, und welcheselbst vom Feuer des Feindes nicht so viel gelitten haben würden, wiedurch ihre gänzliche Einäscherung; auch hätten ihre Einwohner dannnicht Smolensk überfüllt. Obgleich, nach Angabe der Chronisten, Smo-lensk reichlich mit Lebensmitteln und Kriegsvorräthen versehen war, sodoch wohl nur für die Zahl der Garnison und der Bewohner der eigent-lichen Stadt, nicht aber zugleich auch für die Vororte, — und das machtefür den Fall einer andauernden Belagerung einen grossen Unterschied(ein Beispiel dafür liefert das Troizko-Kloster während seiner Belage-rung, — siehe oben)"). An Festungs-Artillerie war kein Mangel; Kano-nen zählte man etwa 300, dagegen waren wenig eigentliche Truppen da,nämlich nach Detachirung von Borjatinski und Adadurow zur Unter-stützung von Skopin, nur 4000 Mann Alles in Allem. Um sie zu ver-stärken, forderte Schein die Datotschen Leute aus den der Stadt benach-barten Amtsbezirken, allein die Bauern weigerten sich dessen, verführtdurch die ihnen von Sigismund versprochenen Freiheiten. Und wenndie Bewohner von Smolensk auch entschlossen waren, den von ihnen ge-leisteten Eid heilig zu halten und sich bis aufs Aeusserste zu vertheidi-gen, so war von ihnen doch etwa nur 1 / l fähig zu kämpfen, % aber be-standen aus Greisen, Weibern, Kindern, Kranken, Schwachen u. s. w.Mit einem Worte: der moralische Zustand der Truppen und Einwohnervon Smolensk war viel versprechend, materiell aber sah es mit der Ver-theidigung weit weniger gut aus.

Uebrigens traf Schein alle erdenklichen von der Klugheit gebote-nen Maassregeln zu bester Organisation der Vertheidigung. Die Hälfteseiner Ratniki behielt er als Reserve in der Stadt, die Andern theilte erin 38 Abtheilungen, jeder (etwa 50 Mann stark) wurde die Vertheidigungeines besondern Thurmes nebst anliegender Mauer übertragen. Solcher-gestalt waren Jedem, Offizier wie Untergebenen. bei Zeiten ihre Plätzeund Obliegenheiten zugewiesen und dadurch die nothwendige Ordnung

*) Sholkjäwski giebt in seinen Memoiren an, dass in einem nach der Ein-nahme der Stadt daselbst aufgefundenen Verzeichniss die Zahl der bei Beginn derBelagerung darin anwesenden Menschen jeden Alters sich auf 200000 belaufen habe,— was sehr übertrieben scheint. Vielleicht aber sind die Bewohner sämmtlicherVororte ganz in dieser Zahl einbegriffen.