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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 603

schon bei dem ersten Schritte auf verschiedene unerwartete Schwierig-keiten und Hindernisse stiess. In Folge dessen wurden die Vorberei-tungen zu dem Feldzuge nur langsam und lau betrieben, sodass derWinter und Frühling 1609 darüber hingingen, und Sigismund hättevielleicht ganz darauf verzichtet, wenn er nicht in seiner Eitelkeit selbstvor der Zeit in West-Europa damit geprahlt hätte. Um sich vor Europaund namentlich dem Papste nicht zu blamiren, entschloss er sich endlichdem Rathe Sholkjäwski's zu folgen, nicht die Zeit unthätig zu ver-geuden, die zu Kriegs-Unternehmungen günstig war, und zugleich daspolnische Volk davon zu überzeugen, dass er nicht zu persönlichem Vor-theil, sondern im Interesse der Ejätsch Pospolita den Feldzug unternom-men habe.

Gonssjäwski hatte sich inzwischen aus seiner Welishsker Sta-rostei mit den zarischen Wojewoden in Smolensk häufig in Verbindunggesetzt, indem er sie der Unterwerfung unter Wladislaw geneigtmachen wollte, gleichzeitig aber hatte er sie unkluger Weise durch An-sprüche auf zwei russische Grenzdistrikte, den Schtschutscheisker undPorjätschinsker, erzürnt, von denen er behauptete, dass sie von Rechts-wegen nicht zuRussland gehörten, ja er hatte sogar ein Corps abgeschickt,diese zu verwüsten. Schein aber wollte von keinerlei Unterhandlungenüber Unterwerfung unter Wladislaw und Abtretung zweier Distriktehören, er befahl, Letztere durch Verhaue zu schützen, beobachtete jedochin seinem Verkehr jene Artigkeit und Höflichkeit, welche in Gon-ssjäwski den Glauben erweckte, dass Jener heimlich den Polen ge-wogen sei und nur auf die günstige Gelegenheit zur Uebergabe warte.In dieser Auffassung bestärkte er auch Sigismund, der nun nochsicherer wähnte, dass Smolensk sich ohne Widerstand ihm ergebenwürde. In dieser Annahme beschloss Sigismund endlich den Feldzugzu eröffnen, aber erstens als schon der Herbst herannahte und zweitensmit Kräften und Mitteln, welche für eine Belagerung von Smolensk voll-kommen unzureichend waren. In dem für die Campagne bestimmten30000 Mann starken Heere befanden sich nur 5000 Mann Fussvolk, undschwere Belagerungs-Geschütze waren überhaupt nicht vorhanden. Alsallgemeiner Sammelplatz war Orscha bestimmt, wohin Sigismundselbst sich Ende August begab, das Heer aber sammelte sich so langsam,dass am 6. September erst 12000 Mann beisammen waren. Dessen un-erachtet brach der von Ungeduld getriebene Sigismund an diesem Tagevon Orscha nach Dubrowna auf, am 8. nachlwanowitsch. Hier versam-melte er einen Kriegsrath, um die Frage zu entscheiden, ob man mit den12000 beisammen habenden Mann die Grenze überschreiten, oder ab-wartensolle, bis alle beisammen seien. Sholkjäwski und sogar derHauptliebling des Königs, JanPotozki, Wojewode von Brazlaw, er-