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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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604 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

klärten es für unvorsichtig, den Krieg mit so unzulänglichen Kräften zubeginnen. Aber ihre wohlmeinende Ansicht konnte nicht in Betrachtkommen gegenüber der Versicherung des Kanzlers von Lithauen, LeoSapieha, dass der König nur vor Smolensk zu erscheinen brauche, sowerde es sich ihm ergeben. Und da diese Versicherung mit dem Wunscheund der Hoffnung Sigismund's übereinstimmte, so hielt auch derRathdafür, dass kein Grund vorliege, um mit dem Abwarten bis das Heer ganzbeisammen sei Zeit zu verlieren.

In dieser Weise wurde ein so wichtiges Unternehmen wie der Krieggegen Russland und die Eröffnung desselben durch Wegnahme vonSmolensk, entgegen der Ansicht Sholkjäwski's undPotozki's, vonSigismund auf das leichtsinnigste und unvernünftigste begonnen, —nicht zur rechten Zeit, sondern Anfang des Herbstes, mit unzureichendenKräften und Mitteln, ebenso sehr zum Schaden für das Unternehmenselbst, wie zum Glück für Russland, das sich zu dieser Zeit gerade inäusserst übler Lage befand.

Leo Sapieha, welcher im Kriegsrathe den Ausschlag gegeben hatte,überschritt am folgenden Tage, 9. September, die Grenze, —■ den FlussIwaka, mit dem Avantgarden-Corps des Castellans Prszemyschski,Sigismund folgte mit der Hauptmacht am 11., und traf am 13. inKrassnoje (heute Stadt Krassny) ein. Nach Moskau schickte er dieKriegs-Erklärung, nach Smolensk aber ein Universal, in welchem er er-klärte, dass er nicht als Feind, sondern als Befreier die russischenGrenzen überschreite, von vielen Russen herbeigerufen, undzugleich grosse und reiche Gnadenbezeugungen versprach für den Fallgutwilliger Unterwerfung, die gründlichste Verwüstung aber für denentgegengesetzten Fall. Schein nahm das Universal in Empfang, be-antwortete es aber nicht schriftlich, sondern sagte nur dem Gesandten,dass, wenn er noch einmal mit solchem Ansinnen hereinkäme, man ihninsWasser werfen werde (d. h. ertränken), wobei er hinzufügte,dass Jedermann in Smolensk in der Kirche geschworen habe, nicht dieStirn vor dem Polen-Könige zu schlagen, sondern bereit zu sein, fürGlauben, Vaterland und Zar zu sterben.

Diese Antwort überzeugte Sapieha und nach ihm Sigismundaufs Neue davon, dass Schein und die Einwohner von Smolensk voll-kommen anders sprechen würden, wenn Sigismund nur erst vor derStadt eintreffe. Er setzte deshalb, Sapieha und Prszemyschski vorihm her, den Marsch von Krassny nach Smolensk fort, wo er am 21. Sep-tember eintraf; Sapieha und Prszemyschski hatten am 19. Sep-tember bereits das erste Gefecht mit den Truppen Schein's. Sigis-mund bezog ein Lager von der Orschaer Strasse zum Dnjepr, zwischenden steinernen Klöstern Troizki, Spasski und Bogorodizki. Am 22.