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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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601
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. (301

-welche er auch den bösen Absichten des Königs von Polen zuvorgekom-men wäre, dessen Einfall in die russischen Grenzen bereits drohend nahebevorstand. Aber wie verständig auch Delagardie und Skopinwaren, — der Erstere Hess sich durch übel angebrachte Nachahmungdes Prinzen Moritz fortreissen, — und der Andere durch die Rathschlägedes im west-europäischen Kriegswesen Erfahrenen zu dem Entschlussbestimmen: unter Vermeidung des Kampfes den Feind durch häufigeExpeditionen zu ermüden und zu schwächen, seine Verbindungen zu er-schweren und zu coupiren, und dabei unter dem Schutze der zur Be-setzung der festen Orte und neuen Befestigungen entsendeten Corps im-mer näher an Moskau heran zu rücken.

In Folge dessen schickte er, ohne selbst über die Wolga zu gehen,Golowin mit einem starken Corps zu einer Unternehmung gegen das,wie man hörte, durch eine Abtheilung Sapieha's schlecht beschütztePerejaslawl aus. Golowin überfiel Perejaslawl bei Nacht unvermuthet,nahm es ohne Mühe in Besitz, unterbrach dadurch die Verbindung zwi-schen Sapieha und Lissowski, und zwang den Letzteren zum Rück-züge von Rostow auf Susdal, wo er sich verschanzte. Um die Verbindungwieder herzustellen und die zum Fouragiren ausgeschickten Abtheilungenzu schützen, schickte Sapieha vom Troizko-Kloster denTromczewskimit vier polnischen Chorugwj nach Alexandrowska-Weiler ab.

Indessen näherte sich auch der lange erwartete Scheremetjefvon Nishni-Nowgorod her Moskau. Er war über Murom auf Kassimowmarschirt, um sich an letzterem Orte für die dort durch Aljabjew er-littene Niederlage zu rächen. Die Einwohner von Kassimow vertheidigtensich standhaft, aber Scheremetjef's Truppen schritten zum Sturm,drangen in die Stadt, und fügten den Kassimowzen grosse Verluste bei.Die Folge war, dass Jelatma und Kadom sich ohne Widerstand unter-warfen, ein grosser Theil der in Tuschino bei dem Zaren von Kassimowbefindlichen Tataren nach Kassimow zu ihren Familien zurückkehrtenund Was sil ji huldigten. Von Kassimow zog Scheremetj ef bald nachWladimir, um sich Skopin zu nähern. Von Wladimir bis Perejaslawlwaren etwas über 100 Werst, es schien also, dass Skopin und Schere-metjef kein erhebliches Hinderniss mehr finden würden zu rascher Ver-einigung, — und in Moskau belebte sich die Hoffnung auf baldige Er-rettung. Aber zu gleicher Zeit erfüllte sich auch, was von Westen herschon lange gedroht hatte: am 9. September überschritt Sigismundmit einem Heere die russische Grenze, das Flüsschen Iwaka jenseitsOrscha und Dubrowna, und rückte auf Smolensk vor.

Schon im Jahre 1605 hatten die russischen Bojaren, welehe den erstenPrätendenten verabscheuten, leichthin und unbesonnen ihre Bereitwillig-