594 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
den Feind zurückdrängten, ihm auf dem Fusse folgend in die TwerschenFestungs-Werke eindrangen und auch in den Strassen ihn niederschlugen.Der grösste Theil der Polen und russischen Rebellen eilte fliehend ausTwer fort, ein Theil durch das Moskauische Thor, Andere zu dem Jo-seph-Wolokolamski-Kloster, einige Polen hatten sich in den Stadt-Wällenfestgesetzt. Skopin Hess sie von da vertreiben, den Fliehenden ener-gisch nachsetzen, und bis auf 40 Werst verfolgt erlitten sie grosse Ver-luste , Viele von ihnen ertranken in der Wolga und Schoscha. Die inder Stadt sich eingenistet hatten, wehrten sich hartnäckig und schlugendrei Angriffe ab. Skopin aber, der vergebliche Verluste an Menschenund Zeit vermeiden wollte, auch voraussetzte, dass dieses HäufleinFeinde, an Allem Mangel leidend, die Stadt von selbst verlassen werde,wenn man ihnen nur den Bückzug frei gebe (was auch wirklich geschah),zog aus Twer nach Moskau und befahl Delagardie ihm dahin zu folgen.
Moskau erwartete Skopin's Eintreffen mit um so grösserer Unge-duld, als dasselbe heilsam auch auf den Geist der Truppen in der Stadteinwirkte. Das erfuhr Boszinski, als er am 5. Juni dagegen anrückte.Die von Wassilji ihm entgegengeschickten Fürsten DimitrjiSchuiski, Andrei Galitzyn, Iwan Kurakin und Boris Lykowstiessen an der Chodynka auf ihn, besiegten ihn in heissem Kampfe, trie-ben ihn fünf Werst zurück und jagten ihm 200 Gefangene ab. DreiWochen blieb Boszinski hiernach imthätig; als er erfuhr, dass Skopinsich bereits Torshok nähere, rückte er am 25. Juni abermals mit allenseinen Streitkräften gegen Moskau, um die hölzerne Stadt in Brand zustecken. Wassilji schickte ihm wieder Begimenter entgegen, welchenochmals an der Chodynka mit ihm kämpften. Den ganzen Tag währteder mit grosser Erbitterung von beiden Seiten geführte Kampf. Bo-szinski begann zu siegen, drängte die russische Eeiterei zurück, unddadurch gerieth auch das russische Fussvolk ins Schwanken. Aber baldeilte von der einen Seite Kurakin, von der andern Galitzyn und Ly-kow zur Hülfe herbei, welche, den Feind mit Ungestüm angreifend, dasGefecht wiederherstellten. Nach dem Zeugniss der Chronisten hattendie russischen Truppen noch nie solchen Muth, solche Ausdauer gegen-über den Truppen des Prätendenten gezeigt, welche schliesslich nichtStand hielten und bis zu ihren Fahrzeugen zurück verfolgt wurden.Einige derselben erreichten den Tuschinoer Weg nicht, wurden in dieMoskwa gedrängt und kamen darin um. 200 Polen und 40 russischeVerräther geriethen in Gefangenschaft; ausserdem wurden dem Feindemehrere Kanonen, Fahnen, Pauken und Kesselpauken abgenommen.Nach diesen zwei bedeutenden Niederlagen wagte Boszinski Nichtsmehr mit offener Gewalt gegen Moskau zu unternehmen.