Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
593
Einzelbild herunterladen
 

Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 593

übergaben die Stadt und leisteten mit allen Bürgern dem W a s s i 1 j i denEid. Nachdem Bor jatinski und Adadurow ihr Corps noch durcheinige Bojaren-Kinder aus Dorogobusb, Wjasma und Bjeloi verstärkthatten, brachen sie am 20. Juni aus Bjeloi auf und vereinigten ihre 3000Mann in Torshok mit Skopin.

So hatte S k o p i n in dem Maasse wie er vorrückte seine Kräfte all-mählich concentrirt und vergrössert. Zborowski blieb wenig Hoffnungihn mit Gewalt der Waffen zu besiegen, und so griff er zu heimlichenIntriguen. indem er an De lag ar die ein Schreiben richtete, welches dievorgeblichen Anrechte des Prätendenten auf den Thron darlegte und ihnbeschwor, für eine ungerechte Sache kein Blut zu vergiessen, und gleich-zeitig suchte er das schwedische Heer aufzuwiegeln. Aber sein Botewurde ergriffen und hingerichtet, und Delagardie erwiderte Zbo-rowski, dass er von seinem Könige gesendet sei, um fürWassiljizu kämpfen, aber nicht um die Rechte auf den moskauischen Thron zuuntersuchen.

Nach einigen Tagen der Ruhe in Torshok rückte Skopin endlichnach Twer, ging 10 Werst davon über die Wolga und näherte sich derStadt. Zborowski und Kernosizki, von Tuschino aus verstärkt,zogen Skopin mit 5000 Mann entgegen und lieferten ihm am 11. Juliein Treffen. Anfänglich drängte Delagardie mit dem rechten Flügelaus Schweden und Finnländern den ihn angreifenden Zborowski zu-rück. Der linke Flügel aber, aus Deutschen, Franzosen und einem TheilSchweden bestehend, hielt den Choc des Feindes nicht aus und wendetesich zur Flucht mit einem Verluste von vier Geschützen und vier Fahnen,und diesem Beispiel folgten auch die russischen Truppen. Nun warDelagardie genöthigt, der Verfolgung Zborowski's Einhalt zu thunund sich zurückzuziehen, nicht ohne erhebliche Verluste. Den Polen warein Platzregen zu statten gekommen, welcher Delagardie's Truppenam Schiessen hinderte. Nach polnischen Angaben, wie gewöhnlich prah-lerisch und übertrieben, hätten die Polen nur 50 Mann verloren, daszarische Heer dagegen 1000 Fremde und 6000 Russen! Unzweifelhaftist es jedoch, dass die Fremden grosse Verluste gehabt hatten. DiePolen verfolgten die Fliehenden nicht lange, sondern kehrten nach Twerzurück.

Skopin Hess aber den Muth nicht sinken, sondern war sogleichentschlossen, diese Scharte auszuwetzen. Am 12. Juni fuhr es fort zuregnen, in der Nacht zum 13. jedoch hörte es auf, und Skopin rücktevon Neuem gegen Twer vor. Der Feind, eines Angriffs gar nicht ge-wärtig, zog zwar aus Twer aus und Skopin entgegen, aber in Eile, un-geordnet und in Verwirrung. Der Kampf begann eine Stunde nach Tages-Anbruch, dauerte drei Stunden und endete damit, dass Skopin's Truppen