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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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586 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Rebellen warfen sich mit lautem Geschrei gegen die Mauern. Aber einheftiges Geschütz- und Gewehrfeuer aus den unteren, am Fusse gelege-nen Scharten empfing sie, von den Mauern warf man Steine, goss sieden-des Wasser auf sie herab, schüttete Kalkstaub über sie (die Augen blindzu machen) und Hess sie weder Leitern anlegen, noch Schirme undSchilde heranbringen. Der Kampf währte in dieser Weise die ganzeNacht ohne den geringsten Erfolg auf Seite der Stürmenden, welche mitTagesanbruch abzuziehen gezwungen waren. Die Belagerer verfolgtensie, schlugen Viele nieder, 30 nahmen sie gefangen, alle Leitern, Schildeund Schirme fielen in ihre Hände.

Dieser Misserfolg erregte bei Sapieha Zweifel, ob er die Belage-rung noch fortsetzen oder keine Zeit weiter dabei verlieren und nachMoskau rücken solle. Zur Entscheidung über diese wichtige Frage be-rief er am 3. Juni einen General-Kolo (allgemeine Versammlungsämmtlicher polnischen Sholnery). Sie beschloss, keinesfalls abzuziehenohne das Kloster genommen zu haben, — Sapieha hielt es für unmög-lich sich dem zu widersetzen und entschloss sich, wenn auch widerWillen, noch einmal sein Glück zu versuchen.

Leider erreichte gerade zu dieser Zeit der Zwist zwischen D olgo-rukow und Golochwastow einen solchen Grad, dass Letztereram24. Juni die Klosterdiener und Bauern veranlassen wollte, dem Dolgo-r u k o w die Thorschlüssel wegzunehmen, da dieser kein Vertrauen ver-diene. Aber die Diener und Bauern wagten nicht sich offen gegen Dol-gorukow zu erheben, der die Ratniki auf seiner Seite hatte. Bald da-nach lieferte Dolgorukow auch den Beweis von der gänzlichenGrundlosigkeit der Verleumdungen Golochwastow's.

In der Nacht vom 27. zum 28. Juni drangen die Polen unter demSchutz des Feuers aus Mörsern mit Schilden, Leitern und Bresche-Werkzeugen von allen Seiten ungestüm gegen die Mauern vor. Dolgo-rukow erschien an dem bedrohtesten Punkte auf der Mauer und gabpersönlich das Beispiel unerschrockensten Heldenmuthes. Dem Feindewar es fast gelungen, ein von den Belagerten vor der den Piwnoi-Hof(leckenden Schanze als vorgeschobener Thurm erbautes Holzgerüst an-zuzünden , die Stürmenden begannen schon die Leitern an die Schanzezu legen. Dies bemerkten der Mönch Gurji Schischkin, der SsotnikWolshinski, ein Klosterdiener, zwei Kasaken und einige Strelitzen,warfen sich auf den Piwnoi-Hof und griffen trotz ihrer geringen Zahl dieStürmenden so kühn und ungestüm an, dass sie sie abschlugen und denBrand des Gerüstes löschten.» So setzte der Kampf sich die ganze Nachtdurch fort, am Morgen zogen die Polen unter Zurücklassung aller ihrerSturm-Werkzeuge unterrichteter Dinge wieder ab.

Zu dieser für die Belagerten erfreulichen Thatsache kam noch die