Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 587
Nachricht, dass das Gerücht vom Herannahen Skopin's mit einerschwedischen Hülfs-Armee bereits die Belagerer zu beunruhigen anfing.Es ist daher nöthig, jetzt zu Skopin's Angelegenheiten zurückzu-blicken, von dessen Erfolgen Wassilji mit allen wohlgesinnten Russenzu dieser Zeit die Befreiung des Vaterlandes erwartete.
Die von Skopin nach Wyborg geschickten BevollmächtigtenGolowin und Zinowjew waren dort mit den schwedischen Bevoll-mächtigten: Boie, Wildman, Stiriskjold, Mjörner und Elof-son in Unterhandlung getreten. Obgleich, wie man meinen sollte, esnicht schwer sein konnte, über eine für beide Theile nützliche Angelegen-heit zu verhandeln, so war doch für Russland die Gefahr nahe, fürSchweden fern (von der Seite Polens nämlich), und die Schweden zogenhieraus Nutzen, um ihre Forderungen ins Maasslose zu steigern und ihreHülfe möglichst theuer zu verkaufen. Nicht zufrieden mit der bereits inNowgorod vereinbarten reichlichen Zahlung für das schwedische Hülfs-heer, entblödeten sie sich nicht, beharrlich auch noch die Abtretung derStadt Korelja zu verlangen. Wie schwer auch die Abtretung dieser Stadtihnen wurde, so mussten Golowin und Zinowjew, die Unnachgiebig-keit der Schweden erkennend, sich dennoch dieser Forderung unter-werfen, jedoch so, dass dieser Abtretung in dem Vertrage keine Erwäh-nung geschah, sondern sie in einer besondern geheimen Klausel zugesagtwurde. Auf dieser Grundlage wurden am 28. Februar 1609 durch diebeiderseitigen Unterschriften die aus 15 Paragraphen bestehenden Ab-machungen vollzogen, deren wichtigste diese war, dass die Schweden5000 Mann für die ausbedungene Zahlung schicken sollten, ausserdemaber ohne Entschädigung so viel, als der König für nöthig erachtenwerde; dass die schwedischen Truppen vollkommen unter Skopinstehen sollten; dass Russland für alle Zeiten auf alle seine Rechte aufLivland verzichte; dass keiner der beiden Theile sich ohne Vorwissenund Betheiligung des Andern mit dem Könige von Polen in irgendwel-chen Vertrag einlassen solle u. s. w. In der geheimen besondern Klauselaber erklärten die russischen Bevollmächtigten, dass sie binnen dreiWochen nach dem Einrücken der schwedischen Heerführer in die russi-schen Grenzen die Urkunde über die Abtretung Korelja's mit der Unter-schrift Skopin's, und noch zwei Monate später mit dem zarischen Siegelaushändigen und zur selben Zeit Korelja mit dem ganzen Bezirke u. s. w.übergeben würden.
Wenn solchergestalt die Schweden ihre Mitwirkung theuer verkauf-ten, so scheuten sie andererseits auch keine Anstrengung, um diese Hülfeder Wichtigkeit ihres Zweckes entsprechend zu gestalten. Ausser denausbedungenen 5000 Mann Truppen stellten sie bei Wyborg noch 8000