584 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
kehren, welcher sich nun auf dem Krassnaja Gora mit grosser Erbitterungauf beiden Seiten erneute. Die Polen konnten jedoch trotz ihrer besserenBewaffnung und überlegenen Zahl die wenigen und schlecht bewaffnetenKloster-Ratniki nicht überwältigen und zogen sich endlich mit Verlustin ihr Lager zurück, Gorski war gefallen.
Der Ausgang dieses Ausfalles und des damit verbundenen heftigenGefechtes tröstete und ermuthigte die Belagerten, erleichterte aber dieSchwierigkeit ihrer Lage nicht. Unter ihren mannichfachen Drangsalenmachte sich namentlich der Mangel an Brennholz fühlbar. Alles, wasirgend von Holz im Kloster vorhanden, war bereits verbrannt, es trat dieNotwendigkeit hervor, fast täglich kleinere Ausfälle zu machen, umin den nächsten Hainen Holz zu erlangen. Aber der Feind legte Hinter-halte in deren Nähe, welche den Ausfallenden recht erheblichen Schadenzufügten.
Noch gefährlicher war es für die Belagerten, dass die Einmüthigkeitbei ihnen nachliess. Viele ersehnten, unter dem Drucke der körperlichenund moralischen Ermattung, mit Eifer die schleunigste Befreiung von denunerträglichen Leiden. Andere sannen aus persönlichem Interesse aufVerrath. Hader und Verrätherei begannen schon sich ins Kloster einzu-schleichen. Dolgorukow und Golochwastow feindeten sich offengegenseitig an: der Erstere hatte die Batniki, Geistlichkeit und Möncheauf seiner Seite, der Andere die Klosterdienstleute und Bauern. Die vonDolgorukow gemachte Angabe, dass der Schatzmeister des Klosters,Djäwotschkin, seit langer Zeit mit dem Feinde in Verbindung steheund selbst Golochwastow zur Verrätherei bewogen habe, und dassdiesem Treiben auch die im Kloster lebende ehemalige livonische KöniginMaria Wladimirowna, als Nonne Martha genannt, nicht fern stehe,— brachte im Kloster die grösste Aufregung hervor. Doljorukow ver-haftete den Djäwotschkin und unterwarf ihn einem Verhör, Goloch-wastow aber rief die Bauern zusammen und wollte ihn befreien. DieVerwendung Joassaph's und der Kirchen-Aeltesten rettete Djä-wotschkin vom Tode, man warf ihn in den Kerker, der Samen desHaders und Verrathes blieb jedoch im Kloster. Die Desertionen ausdemselben mehrten sich und setzten den Feind von allen Vorgängen imKloster in Kenntniss. Zwei Ueberläufer theilten dem Feinde mit, dassdas Kloster durch unterirdische Canäle aus dem Bergteiche sich mitWasser versorge. Lissowski liess den Damm dieses Teiches abgraben,und leitete sein Wasser durch die Sslushen-Schlucht in den Kontschura-Fluss, und um dies zu verbergen, verbot er seinen Batniki den Kampfmit den Klosterleuten. Aber gerade dies erregte den Argwohn der Be-lagerten , sie ergriffen in der Nacht eine polnische Schildwache und er-fuhren von ihr, dass der Damm abgestochen werde. In derselben Nacht