574 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
und das Troizko-Kloster noch auf Wassilji's Seite standen. Undobschon gut bevölkert und reich an Mitteln und Hülfsmitteln zur Führungdes Krieges, waren sie doch getrennt und konnten nicht im Zusammenhangund Einverständniss handeln. Ausserdem hatte sich überall der Geistereine solche Ermattung bemächtigt, dass sie entweder dem Verrathe odergänzlicher Verzagtheit anheimfielen. Sogar in Moskau selbst waren inallen Klassen die sittlichen Begriffe von Eid, Pflicht und Ehre ganz ver-schwunden, und nur die gemeinste Habsucht die Alles bewegende Trieb-feder. Leute aus den vornehmsten Ständen begaben sich nach Tuschinozum Prätendenten, ja es gab Solehe, welche zwischen Tuschino undMoskau hin und her wechselten, um an beiden Stellen Geld zu erlangen!Ja die Habgier ging so weit, dass dem Usurpator aus Moskau Salz undArzneimittel, deren er bedurfte, dann auch Waffen geliefert wurden.
Der in dieser Weise rings von Verrath und Treulosigkeit umgebeneWassilj i behauptete sich dennoch in Moskau und hielt es im Gehorsam,theils mit Hülfe der ukrainschen Gutsbesitzer, welche ihm um ihres per-sönlichen Vortheils willen ergeben waren, theils und besonders mit Hülfeder höheren Geistlichkeit. Aber er sah, dass über kurz oder lang dasElend seine Macht untergraben müsse, und dass als alleiniges Rettungs-mittel die Hülfe von aussen blieb. Die durch Skopin mit den Schwedenangeknüpften Verbindungen stellten die Hülfe Schwedens in Aussicht;aher noch ehe sie einträte und Skopin in Nowgorod ein Heer versam-melt hätte, wollte Wassilji zum Entsatz von Moskau eine möglichststarke Truppenmacht heranziehen. Zu diesem Zwecke befahl er S che inin Smolensk ein neues Heer zu sammeln, und Scheremetjef von derBaltschik-Insel vor Astrachan mit dem Niederungen-Heere auf Moskauzu rücken, da er berechnete, dass die Vereinigung dieser beiden Ratjein ziemlich bedeutendes Heer in Moskau ergeben werde.
Aber auch die Anhänger des Prätendenten erbitterten und reiztendurch ihre Gewaltthätigkeiten, Räubereien und Unthaten in den Städtenund Bezirken jenseits Moskau die Einwohner dermaassen gegen sich,dass sie sich dem Wassilji wieder zu unterwerfen beschlossen. Ga-litsch, Kostroma, Wologda, Bjelosersk, Ustjushna, Gorodez, Bjäshezki-Werch und Kaschin sagten fast gleichzeitig sich vom Usurpator los undbegannen ihre Aufgebote zu sammeln. Dasselbe geschah in Ustjug undSolwytschegodsk. Auch auf dem rechten Wolga-Ufer nahmen, dank derunerschütterlichen Treue von Nishni-Nowgorod, die Dinge eine fürWassilji günstigere Wendung. Die Nishegorodzer baten Schere-metjef um Hülfe, und dieser schickte gleich nach seinem Eintreffen inKasan ihnen die Häuptlinge Mikulin und Isnosskow mit einer Ab-theilung Strelitzen, Kasaken und Kriegsdienst thuenden Lithauern undDeutschen. Als dieser Heerhaufen in Nishni-Nowgorod angekommen