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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkens-wertheste Kriege und Feldziige. 569

aus welchem sieh ihnen Polen und russische Rebellen entgegen warfen;es entstand ein lebhaftes Handgemenge, das auf beiden Seiten Todteund Verwundete ergab. Aber den Belagerten gelang es, einen mit Wun-den bedeckten Djädilowschen Kasaken zu ergreifen, welcher, seinenVerrath bitter bereuend, bevor er starb noch anzugeben vermochte, dassdie Mine unter den südöstlichen Eckthurm geführt werde. Demzufolgewurde sogleich befohlen, hinter diesem Thurme von der Südmauer biszum heiligen Thore eine Mauer aus Schirmblenden aufzuführen, sie mitErde zu bewerfen, mit einem Pallisadenzaun zu umgeben und Geschützedarauf zu stellen.

In der folgenden Nacht bestätigte ein ins Kloster übergelaufenerKasak, dass die Mine unter dem Südost-Thurm gelegt werde und schonfertig sei, und dass man sie am 8. November laden wolle. Nun wurde,nach einem allgemeinen Kriegsrathe, beschlossen, einen heftigen Ausfallzu der Zeit zu machen, wo vermuthlich die Mine geladen, der Eingangaber noch nicht verdämmt sei; zu besserem Gelingen des Ausfalls sollteein heimlicher Ausgang aus der Mauer in den Graben neben dem Suschil-naja-Thurme geöffnet und mit drei eisernen Thoren versehen werden.

Seit Beginn der Belagerung war die siebente Woche herangekom-men, aber noch nie hatten die Belagerer ein so furchtbares Feuer unter-halten, als am 9. November: sogar im Innern der Troizko Kathedrale wares unmöglich sich vor demselben zu schützen. Die Belagerten aber er-lebten die Genugthuung, dass das Feuer ihrer Geschütze vom Wodjanja-Thurme das Zündloch, und vom schönen Thurm und dem heiligen Thordie Mündung einer Ungeheuern polnischen Kanone beschädigte, welcheTreschtschera (die Krachende) hiess, in dem TerentjewschenHaine stand und viel Schaden gethan hatte.

Endlich, am 9. November, ein wichtiger Tag für die Vertheidigerdes Klosters, drei Stunden vor Sonnenaufgang, rückten dieWojewodenin den heimlichen Gang, Hessen ihre Leute allmählich in den Graben hinab-gleiten und sich vorläufig gedeckt darin halten. Zur selben Zeit rücktenaus dem Piwnoi-Hofe die Golowy Essip ow, Marin und Jurji Redri-k o w mit ihren Ssotnien und Bauern aus und setzten sich in dem Wiesen-Garten und auf dem Damm des runden Teiches fest, und die GolowyChodyrew, Bolchowski, Subow und Athanasius Redrikowzogen mit vielen Fuss-Ssotnien und der gesammten Reiterei aus demKonüschenner Thore aus. Mönche waren auf alle Abtheilungen vertheilt.um sie anzufeuern: als Losungswort war der Name des heiligenSergjei gegeben. Eine dichte und dunkle Gewitterwolke, welche dasaufsteigende Morgen-Licht verfinsterte, begünstigte das unbemerkte Aus-rücken der Belagerten aus dem Kloster. Als aber Alles bereit war, zer-streute ein starker Wind diese Wolke, und es wurde hell. Nun ertönten