Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 567
ganzen Heere aus dem Lager und stellte sich unter dem Schutze derParallele hinter den Batterieen auf dem Krassnaja-Berge auf. Zur selbenZeit stellte Lissowski seine Truppen im Terentjewschen Haine biszur Sasonow-Schlucht und auf der Perejaslawler und Uglitscher Strassebis zur Mischutiner Schlucht auf. Den ganzen Tag unterhielten dieBatterieen ein fortgesetztes Feuer, und nach Sonnen-Untergang setztensämmtliche Truppen, mit Bretter-Schilden "und auf Räder gestelltenTarassen') gedeckt und mit Leitern sich von allen Seiten unter demKlange der Musik gegen die Klostermauern in Bewegung. Da sie aberbetrunken waren, führten sie den Angriff ohne Ordnung aus. und die Be-lagerten schlugen sie ohne grosse Anstrengung zurück, sodass sie beiihrem Rückzuge Schilde, Tarasse und Leitern von sich warfen, welcheam andern Tage von den Belagerten aufgehoben und statt des mangeln-den Holzes verwendet wurden.
Eine ganze Woche hindurch zogen nun die Belagerer täglich vor dieMauern und suchten durch Schmeicheleien und Drohungen die Verthei-diger zur Uebergabe zu bewegen. Aber diese dachten gar nicht daran,sondern machten im Gegentheil am 19. Oktober einen starken Ausfallmit Cavallerie und Infanterie aus dem Konüschenner Thore, zur Unter-stützung einer Anzahl von Ratniki, welche sich aus eigenem Antriebe anSeilen von den Mauern herabgelassen und die in dem Gemüsegarten vordem runden Thurm Kohl stehlenden Polen angegriffen hatten. Ein Theildes Ausfalls wendete sich rechts durch den Garten über den Damm desBergteiches nach dem Slushnja-Weiler, der andere Theil nach demFürstenfelde über den Konüschenner Hof und dann links über die Glin-jana-Schlucht gegen die Batterieen auf dem Krassnaja-Berge. Aufbeiden Seiten war der Kampf sehr heftig, schliesslich wurden die Be-lagerten nicht ohne Verlust zurückgeworfen.
Hierdurch gereizt, führte Sapieha am 23. Oktober Abends unterMitwirkung von 2 Batterieen alle seine Truppen gegen die Mauern undbesonders den Piwnoi-Hof vor, dessen Dach er durch dagegen gestellteBalken, Hölzer, Reisig, Stroh u. s. w. in Brand setzen wollte. Aberdurch die Flammen hell beleuchtet, waren die Angreifer dem sichernFeuer der Belagerten ausgesetzt und zogen wieder ab, und die Letzterenkonnten den Brand löschen. Bei dieser Gelegenheit hatten die Angreiferauf allen Seiten viele Todte und Verwundete verloren.
Bald danach beschlossen die Belagerten ihrerseits zur Offensiveüberzugehen und den schwächsten Theil der feindlichen Einschliessungs-Linie anzugreifen, nämlich die Rottmeister Bruschewski und Suma,welche die Barrikaden an der Mischutiner Schlucht besetzt hielten, das
*) Tarass = aus Bohlen gezimmerte Wände oder Schilde. Anm. d. Uebers.
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